ARD, Sonntag, 21. Mirz, 22.00 Uhr: „Beruf: Königin“, Dokumentation von Nicola Bude

Wie sympathisch sie ist, wie warm und herzlich und ungekünstelt ihr Lächeln, wie souverän und trotzdem natürlich ihr Auftreten ist, wie stolz wir schließlich auf „unsere“ Silvia sein dürfen – dies alles zu wissen, kommen selbst jene nicht umhin, die nicht regelmäßig die einschlägige Presse der Hofberichterstattung verfolgen oder Ereignisse wie Lady Di’s Heimführung durch Prinz Charles über Stunden am Fernsehschirm miterleben.

Von welch unwahrscheinlicher Wärme und Herzlichkeit wiederum die Schweden sind, erfahre ich nun aus königlichem Munde (im Bild die obligatorischen kleinen Mädchen, die Blumen überreichen, oder Kleinstadt-Honoratioren, die die hohe Besucherin anstrahlen und ihr selbstgestrickte Pullover schenken); welch übergroße Freude es ihr, der Königin, bereite, direkten Kontakt zum Volk zu haben (im Bild endlos lange Spaliere von Schaulustigen, die abgeschritten sein wollen); wie spontan sie, die Königin, in die Stadt gehen könne, zum Einkaufen etwa (im Bild der Besuch einer Boutique, davor eine Menschentraube); daß sie, die Königin, sich fühle wie jede andere Hausfrau auch, die sich um Küche, Kinder und Gäste kümmern müsse (im Bild eine geometrisch exakt ausgerichtete Tafel für 160 Gäste – Staatsbesuch ist angesagt vor der die Königin Silvia steht und etwas hilflos an einem Tischkärtchen rückt). Und so weiter.

Der Film-Autorin scheinen keine Diskrepanzen aufzufallen. Zwar erfahre ich, daß der Arbeitstag der Silvia von Schweden nicht selten bis zu siebzehn Stunden dauert (alle Achtung), doch was genau tut sie, wenn sie nicht gerade auf Reisen ist? Immer nur lächeln und immer bemüht? Zwar erfahre ich, daß sie jeden Tag pünktlich um neun Uhr ihre Sekretärin samt der Hofdame trifft, um die Post zu erledigen. Beantwortet sie Fan-Briefe, Bittschreiben? Übt sie sich im schriftlichen Gedankenaustausch etwa mit der dänischen Kollegin? Vieles kann man sich denken, auch, daß die schwedische Königin nicht immer alles herzlich und warm finden wird, aber dazu muß ich mir keinen Film anschauen.

Nun frage ich mich natürlich ohnehin, wie dringend nötig unser Zeitalter königliche Damen und Herren in offizieller Funktion hat. Königin Silvias Antwort auf die Frage, was sie denn politisch bewirken könne, war: „Direkt nichts, aber indirekt kann ich was machen.“ Gut, dafür kann sie nichts, so sind die Gesetze – was also soll’s. Und so ist der ganze Film. Was habe ich mir davon erwartet? Wollte ich Königin Silvia von Schweden, ehemals Fräulein Sommerlath aus Heidelberg, bei einer Frivolität ertappen? Wollte ich von ihr hören, daß Monarchien anachronistisch seien? Gewiß nicht. Aber eine einzige kritische Frage, eine selbstkritische Antwort wäre schon ganz schön gewesen.

Anna Mikula