Ein Kölner Kaufmann macht große Geschäfte mit kleiner Kunst

Seit einigen Jahren verzeichnen Museen und Galerien in der Bundesrepublik ständig steigende Besucherzahlen. 1981 konnten die Kunsttempel sogar einen Rekord melden: Sie hatten erstmals mehr Menschen angelockt als König Fußball.

Das wachsende Interesse an Kunst und Künstlern ließ die Umsätze der meisten Kunsthändler nicht wesentlich steigen. Um so stärker wirkte es sich dagegen auf das Geschäft mit Kunstreproduktionen aus. Das Angebot an populären Kunstbüchern wird immer größer, Ausstellungskataloge entwickelten sich zu Rennern des Buchmarktes. An Attraktivität gewinnt in jüngster Zeit auch ein Medium, das bereits in den ersten Nachkriegsjahren sehr beliebt war, dann aber immer mehr an Bedeutung verlor: die Kunstpostkarte.

Walter Müller, Inhaber des ältesten und mittlerweile wohl größten Kunstpostkarten-Großhandels der Bundesrepublik, der Firma Taurus im oberbayrischen Aichbach, schätzt auf Grund eigener Umsätze (1,5 Millionen Karten pro Jahr), daß derzeit zwischen Kiel und Garmisch insgesamt fünf Millionen Reproduktionen im Mini-Format abgesetzt werden. Trotz steigender Preise (1957 noch 25 Pfennig, heute 80 Pfennig) verzeichnete Müller in den vergangenen Jahren stets Wachstumsraten von zehn bis zwanzig Prozent.

Die Karten, die Müller an achthundert bis tausend meist inländische Kunden – vor allem Buchhandlungen (die teilweise auch Verkaufsstellen in Museen betreiben), Kunst- und Rahmengeschäfte, Schreibwarenläden und neuerdings auch Mode-Boutiquen – vertreibt, stammen nur zu vierzig Prozent aus der Bundesrepublik. Der größere Rest kommt aus dem europäischen Ausland – insbesondere aus Frankreich, Italien, Spanien, England und Holland.

Das Angebot reicht von den Abbildungen früher Höhlenmalerei bis zur jüngsten zeitgenössischen Kunst. Müller führt in seinem Katalog rund 15 000 Motive. Die Nachfrage jedoch konzentriert sich, allerdings mit wechselnden Schwerpunkten, immer nur auf einen kleinen Teil davon. „Mit zwanzig Prozent der Motive“, so der Taurus-Chef, „mache ich neunzig Prozent des Umsatzes.“

Noch vor zehn Jahren interessierten sich die Käufer von Kunstpostkarten vor allem für die Moderne. Picassos frühes Bild „Kind mit Taube“ von 1901 wurde zum Kartenbestseller und deshalb auch zu einem der bekanntesten Bilder des Spaniers. Alte Meister dagegen waren früher höchstens für Weihnachtsgrüße gefragt, die Maler des 19. Jahrhunderts – mit Ausnahme von Spitzweg – überhaupt nicht. Erst nach der großen Hamburger Caspar-David-Friedrich-Ausstellung fanden auch die Romantiker großen Anklang.