Armut, Hunger und Schmutz – auf diesem Boden gedeiht die Cholera. Vor allem in den Ländern der Dritten Welt greift die Seuche immer weiter um sich. Aber auch Staaten wie Südafrika bleiben nicht verschont. Jüngste Meldungen berichten von vielen tausend Kranken in den Slums der dortigen Großstädte.

Die Erreger der Cholera gehören für Familie der Bakterien, die Menschen mit Krankheiten wie Pest, Typhus, Keuchhusten und Ruhr heimsuchen. Als Robert Koch 1883 den Bazillus unter dem Mikroskop sah, war diese Entdeckung allenfalls für Seeleute und Kolonialtruppen von Bedeutung, die nach Asien fuhren. Heimisch war die Cholera hauptsächlich im Ganges-Brahma-Putra-Delta. Erst 1961 griff sie dann auf Afrika über und breitete sich in den siebziger Jahren im zentralafrikanischen Raum aus.

Im vergangenen Jahr wurden kleinere Epidemien aus Vorderasien und Nordafrika gemeldet: Betroffen sind Jordanien und Algerien. Zur Zeit schrecken Berichte der deutschen Tagespresse Reisende mit Ziel Südafrika: Zum erstenmal grassiert dort die Seuche – allerdings nur unter der schwarzen Bevölkerung, also in den Slums der Großstädte und in den „Homelands“.

Nur eine radikale Sanierung der hygienischen Verhältnisse wird die Cholera in der Dritten Welt eindämmen können, denn die Impfung schützt nur bedingt vor einer Erkrankung. Bedingt heißt: auch der Geimpfte kann, sich infizieren und als Keimausscheider andere anstecken. Dies ist auch der Grund, warum die Cholera nicht wie die Pocken ausgerottet werden kann. Dennoch sollte sich jeder impfen lassen, der in die genannten Gebiete und Länder reist. Wer so geschützt ist, hat die Chance, gar nicht zu erkranken – oder allenfalls nur leicht.

Die Infektion erfolgt durch unmittelbaren Kontakt mit Erkrankten oder indirekt über verunreinigtes Wasser und Lebensmittel. Als ergänzender Infektionsschutz empfiehlt sich deshalb der Verzicht auf rohe und unzureichend gekochte Speisen sowie Leitungswasser. Die Krankheit bricht ein bis fünf Tage nach der Ansteckung aus, doch nur zehn Prozent der infizierten Personen entwickeln das typische Krankheitsbild. Es beginnt mit Leibschmerzen und Durchfällen, die immer wässeriger werden. Der große Flüssigkeitsverlust – mehr als zehn Liter pro Tag sind durchaus nicht ungewöhnlich – führt zu den typischen Austrocknungserscheinungen: Durst, Heiserkeit (vox cholerika), in Falten abhebbare Haut, „Waschfrauenhände“, eingefallene Wangen, tief in den Höhlen liegende Augen, Muskelkrämpfe. Die Krankheit verläuft ohne kolikartige Bauchschmerzen, meist auch ohne Fieber. Zeichen des beginnenden Kreislaufversagens sind Blutdruckabfall, Untertemperatur und Atemstörungen. Von 1000 Cholera-Keimträgern erkranken laut Statistik durchschnittlich 100 Menschen schwer, von denen wiederum sechs sterben – weil sie nicht geimpft sind. Wer den Kollaps überlebt, wird im allgemeinen rasch gesund.

Ein Impfzeugnis wird bereits nach einer Impfung ausgestellt, doch ist der Schutz dann sehr unzuverlässig. Sicherer wirkt eine zweimalige Injektion im Abstand von acht bis vierzehn Tagen. Doch auch dann hält der Impfschutz höchstens ein halbes Jahr. So lange gilt auch das Impfzeugnis, wobei zu beachten ist, daß dessen Gültigkeit erst sechs Tage nach der Immunität eintritt. Die Sechstagefrist fällt weg, wenn die Impfung innerhalb von sechs Monaten aufgefrischt wird. Vor und nach einer Pockenerstimpfung ist ein Zeitabstand von mindestens vier Wochen zur Cholera-Impfung einzuhalten. Zeitabstände zu anderen Impfungen sind dagegen nicht erforderlich. Obwohl Nebenwirkungen – bis auf harmlose Schmerzen an der Einstichstelle – selten sind, sollten Schwangere und Kinder bis zu einem halben Jahr nicht geimpft werden.

Eines jedoch gilt für alle: Der Rat des Gassenhauers „Juppheidi, Juppheida! Schnaps ist gut für Cholera“, hilft zwar sangesfreudiger Stimmung auf die Beine, dürfte bei den Betroffenen allerdings zum sicheren Tode führen.