Selbst Weinmuffel, für die der Saft der Reben nichts anderes als eine „teure Form von Essig“ ist, müssen nach einem Rundgang im Deutschen Weinbaumuseum in Oppenheim am Rhein feststellen, daß der Weinbau eine von jeher ernste und komplizierte Angelegenheit ist. Das galt schon vor 1800 Jahren, als die damaligen Besatzer, die Römer, an den sonnigen Hängen entlang des Rheins mit dem Weinbau begannen.

An die weinseligen Römer erinnert zum Beispiel ein Rebmesser aus dem Jahre 180 nach Christus, das in Form und Anwendung haargenau dem auch heute noch gebräuchlichen gleicht. Anderes hat sich durch die Jahrhunderte gewaltig verändert. Versuchten die Winzer früher, die gefräßigen Stare mit Klappern, Pistolen und Flintenschüssen oder mit Raubvogel-Attrappen von den süßen Trauben fernzuhalten, so werden heute elektronisch gesteuerte Raketen in die Vogelschwärme hineingefeuert. Nur fruchtet das ebensowenig wie die Altstar-Warnschreie vom Tonband, weil sich die Vögel rasch an die Töne gewöhnen.

Der „Krieg gegen die Insekten“ war vor noch gar nicht so langer Zeit eher eine sportliche Angelegenheit; die Weinbauern gingen mit Schmetterlingsnetzen und Patschschlägern auf Mottenjagd. Zeitweise drohten auch Maikäfer oder Heuschrecken ganze Ernten zu vernichten. All das wird im Museum dokumentiert.

Die übersichtlich und einprägsam arrangierten Sammlungen geben einen umfassenden Oberblick über die Entwicklung des Weinbaus in Deutschland. Das Museum, das sich zur Zeit noch im Aufbau befindet, wird von einem Verein getragen, in dem Repräsentanten aller elf deutschen Weinanbaugebiete vertreten sind.

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum und das Mittelrheinische Landesmuseum in Mainz wollen Leihgaben aus römischer Zeit beisteuern. Später sollen sogar einmal die wichtigsten Weinbauländer der Welt in einem Freilichtmuseum unterhalb der Ruine Landskrone berücksichtigt werden.

Neben vielem anderen sind im Oppenheimer Museum eine komplette Weinbrennerei, eine Holzküferwerkstatt, ein Oldtimer-Traktor-Salon und als Kuriosität eine Mausefallensammlung zu sehen. Der große Vorteil des Museums aber ist: Es sind nur wenige Schritte von der Theorie zur Praxis. Ernst Probst