Die Finanzminister“, liest man auf der ersten Seite der wöchentlichen Zusammenfassung kulturpolitischer Meldungen der Deutschen Presseagentur dieser Woche, „beharren strikt darauf, daß für den Bildungsbereich im Planungseckjahr 1985 nur die von ihnen zugebilligten 85 Milliarden Mark zur Verfügung gestellt werden. Ein Spitzengespräch zwischen der Finanzministerkonferenz und der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung blieb damit ohne jedes Ergebnis ...“

Eine Meldung, die man ungern weiterliest: Was heißt Planungseckjahr? Warum sind 85 Milliarden Mark wenig? Wieviel Geld hätte allein gespart werden können, wenn man einfach auf die Fortschreibung des Bildungsgesamtplanes – das scheint die einzige Aktivität der Bund-Länder-Komission zu sein – verzichtete, denn dies war ja nicht das erste Treffen hochbezahlter Bürokraten, das „ohne jedes Ergebnis“ verlief?

Macht man sich allerdings die Mühe, trotz des aufkommenden Widerwillens, weiterzulesen und bei den Finanz- und Kultusministerien nachzufragen, dann fällt auf, daß sich in puncto Bildungsausgaben nur die Richtung, nicht aber die Form geändert hat. Wo einst ohne zu schauen ein warmer Geldregen aus einer großen Gießkanne gegossen wurde, wird jetzt das Wasser einfach abgedreht. Wo einst „Eckdaten“ großzügig gesetzt wurden, und die Kultusministerien Geld verstreuten, ohne nach dem Sinn zu fragen, werden nun die „Eckdaten“ umgekehrt so eng gesetzt, daß gar nicht mehr gefragt werden kann, wo man sinnvoller Weise spart und wo nicht.

Folgendes verbirgt sich hinter dem Beschluß der Finanzminister: Die Zahl der gegenwärtig rund 570 000 Lehrerstellen in der Bundesrepublik müßte bis 1985 auf 520 000 reduziert werden. Ausscheidende Lehrer, die in Pension gehen, können also nicht ersetzt werden, die Hochschulabsolventen haben keine, aber auch gar keine Chance, in die Schule zu kommen. In der Folge werden die Kollegen immer älter, die Lehrerschaft vergreist, die Schere öffnet sich immer weiter: Etliche gut verdienende Studienräte erhalten Jahr für Jahr höhere Einkommen, junge Lehrer haben nichts.

Über 60 Prozent der Bildungsausgaben sind reine Personalausgaben, und wenn sich die Finanzminister durchsetzen, wird sich dieser Anteil noch erhöhen. Denn bei diesen „Eckdaten“ bleibt gar nichts anderes übrig, als die Ausgaben für die Schulrenovierungen, Neubauten, den Kauf von Büchern und Geräten, um die Hälfte zu kürzen.

„Die Bildungspolitik“, sagte einst Jürgen Schmude, als er noch Bildungsminister war, „darf nicht zum finanzpolitischen Steinbruch der achtziger Jahre werden.“ Das Bild suggeriert, aus dem Bildungsetat würde Geld „herausgeholt“, um andere Haushaltsposten aufzustocken und ist deshalb falsch. Lieber sollte man fragen, wo sinnvoller Weise gespart werden kann im Bildungsbereich und wo nicht.

Diese Ausgabe jedenfalls scheint unnütz: Das Johannes-Butzbach-Gymnasium in Miltenberg hat, wie der Süddeutschen Zeitung entnommen werden kann, einen rundum verglasten Raum bekommen, damit die Kollegiaten der Oberstufe besser beobachtet werden können. Ein bereits vorhandener Aufenthaltsraum wurde geschlossen.’ Schulleiter Karlheinz Gleußner: „Grund für die Schließung des abseits gelegenen und einer Aufsicht nur schwer zugänglichen bisherigen Aufenthaltsraums war dessen. ihm spielten unter anderem Kollegiaten Karten, während sie gleichzeitig den Unterricht schwänzten.“