Auf Begins Befehl

Nach 50 Jahren soll in Israel ein Mordfall neu aufgerollt werden. Im Kabinett setzte Ministerpräsident Menachem Begin durch, daß eine Staatskommission die Hintergründe der Ermordung des Zionistenführers Chaim Arlosoroff aufdeckt, der 1933 während eines Spaziergangs am Strand von Tel Aviv erschossen worden war. Vor einem britischen Mandatsgericht waren damals drei Mitglieder einer rechtsrevisionistischen Bewegung als Täter angeklagt worden, die sich angeblich an dem Führer der rivalisierenden Arbeiter-Zionisten rächen wollten. Sie mußten freigesprochen werden. Dieser Tage erschien in Israel das Buch „Der Mord an Arlosoroff“, das erneut den Verdacht auf die radikale jüdische Bewegung lenkt. Begin will nun einen Schlußstrich ziehen. Sein Innenminister Burg warnte ihn: Wegen der Räumung der letzten Sinai-Siedlungen ist die Spannung im Volk ohnehin hoch. Der ehemalige Außenminister der Arbeiterpartei, Abba Eban, empfahl, eher das Problem zu lösen, wie Israel wieder innerlich gesunde, statt alte Geschichten aufzuwärmen.

Parkinson in Peking

Zweitausend Jahre nachdem China die Prüfung für den Staatsdienst eingeführt hat, haben die Chinesen das 1955 veröffentlichte Parkinsonsche Gesetz entdeckt. Eine Übersetzung dieser klassischen Regel – die Arbeit in den Behörden werde so lange ausgedehnt, bis sie die zur Verfügung stehende Zeit ausfüllt – wird bald in Peking erhältlich sein. Ein Vizepremier hat das Gesetz vor kurzem als „höchst bedenkenswert“ eingestuft. Und offenbar als richtig: Der chinesische Premierminister Zhao Ziyang beabsichtigt, die Zahl der Beamten um ein Drittel zu reduzieren und die Hälfte der Stellen in der Zentralregierung abzubauen. In den ersten zwölf Verwaltungsbezirken müssen 77 Prozent der Minister und Vizeminister samt ihren Bürochefs und Stellvertretern weichen. Eindeutig profitiert nur das weibliche Geschlecht von Pekings Parkinson-Adaption: Der Anteil der Frauen im Staatsdienst soll sich verdoppeln.

Britischer Kaviar?

Wenn es nach dem Willen des englischen Fischereibeamten Peter Jarrams geht, können Gourmets in aller Welt, verunsichert ob ständig steigender Preise und eines drohenden Boykotts des Hauptlieferanten Sowjetunion, möglicherweise aufatmen: Auf einer Dienstreise durch die Vereinigten Staaten fiel ihm auf, daß im Columbia-River (Oregon) Störe – allerdings unter Laichgröße – mit der Angelrute gefangen wurden. Mr. Jarrams möchte nun herausfinden, ob sie sich im Trent, einem mittelenglischen Fluß, ansiedeln lassen. Der Kaviar-Fisch kehrt wie der Lachs zum Ort seiner Geburt zurück, um seinen Laich im Kies des Flußbettes abzulegen. Ein Hindernis ist bereits beseitigt: Die Königin wird ihr seit Edward II. verbrieftes Recht auf jeden in britischen Gewässern gefangenen Stör „nicht in Anspruch nehmen“. Ehe ein Stör das erste Mal laicht, vergehen freilich acht bis vierzehn Jahre.

Königliche Arbeiterin

Ist die Tätigkeit der englischen Königin Arbeit? Und wenn ja, müssen dann nicht auch in der Thronfolge die Geschlechter gleich behandelt werden, wie das für „normale“ Arbeitsplätze in den Römischen Verträgen festgelegt wurde? Diese kniffligen Fragen hat Derek Enright, Abgeordneter des Europaparlaments aus Leeds, schon vor vier Monaten einer EG-Kommission vorgelegt und damit offenbar nicht geringe Verwirrung erzeugt. Eine endgültige Antwort steht noch aus; die Formulierung des Kommissions-Sprechers, „die Frage der Thronfolge liege außerhalb des Geltungsbereiches des Gleichheitsgrundsatzes“, deutet jedoch an, daß die Argumentation der Kommission wohl darauf hinauslaufen wird, „Königin-sein“ sei keine Arbeit im herkömmlichen Sinn. Den „überzeugten Monarchisten“ (Enright über Enright) wird ein solches Urteil kaum befriedigen.