DIE ZEIT

Linker Traum

Nichts wirklich Neues, sondern nur der Versuch, „die alte SPD ein überletztes Mal zurückzuverbessern – nunmehr von außen“ –, so hat sich Rudolf Bahro über die geplante Partei der „Demokratischen Sozialisten“ mokiert.

Noch lebt Europa

Europa begeht den fünfundzwanzigsten Gründungstag der Brüsseler Gemeinschaft mit gedämpftem Trommelklang. Seine Chefs streiten sich wieder einmal um die Finanzierung des EG-Haushalts.

Die Koalition im Würgegriff?

Eine heiße Meldung ist es gerade nicht, aber angesichts der Ergebnisse der niedersächsischen Landtagswahl mag es nicht überflüssig sein, um Aufmerksamkeit für diese Nachricht zu werben: Von den Abgeordneten, die am Montag zur letzten Sitzungswoche vor Ostern in den Bonner Bundestag zurückkehrten, gehören 280 zur Koalition, aber nur 237 zur Opposition – und alle sind mit einem Mandat ausgestattet, das bis zum Herbst 1984 reicht.

Wind von rechts

Frankreichs Regierung bekommt es zur Zeit knüppeldick. Bei den Wahlen zu den Departement-Parlamenten erkämpften sich die Konservativen die Mehrheit im Lande, nicht einmal ein Jahr nach dem Linksrutsch von 1981.

Untersagter Machtwechsel

Das Buch des Berliner Historikers Arnulf Baring über die Hintergründe des Brandt-Rücktritts 1974, schon mit dem Titel „Machtwechsel“ von höchst peinigender Aktualität, hat nicht nur für Wirbel und Betroffenheit in den Bonner Amtsstuben gesorgt; es hat nun auch die vornehme Stuttgarter Deutsche Verlags-Anstalt in Turbulenzen gestürzt: Zwei einstweilige Verfügungen sind ihr ins Haus geflattert.

Polit-Tourismus nach Washington: „Wenn ich Bundeskanzler wär’...“

Von Macht erregt“, so einer seiner erschreckten amerikanischen Gesprächspartner, riet der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß hohen Beamten des State Departments, die Niedersachsenwahl vor Augen, sich jetzt schon auf christdemokratische Zeiten in der Bundesrepublik einzurichten: „Merke – keine Hilfe für Helmut Schmidt.

Zeitspiegel

Anfang März scheiterte erneut ein Versuch, das Regime Jean Claude Duvaliers („Baby Doc“) auf Haiti zu stürzen. Die über Zeitungsanzeigen vom „Rat für die Nationale Befreiung von Haiti“, einer Exilorganisation in Miami, angeworbenen Söldner waren von Florida aus mit zwei Kabinenkreuzern in See gestochen, wo sie jedoch alsbald der amerikanischen Küstenwache kampflos in die Hände fielen.

Deutsch-deutsche Beziehungen: ,,Nicht gut, nicht vernünftig“

Wären die innerdeutschen Beziehungen so gut wie die Besucherdiplomatie lebhaft, dann stünde alles zum besten. Mit SED-Chef Honecker sprachen in jüngster Zeit der Vorsitzende des Deutschen Industrie- und Handelstages, Otto Wolff von Amerongen, Bonns Ständiger Vertreter Klaus Bölling, der saarländische SPD-Vorsitzende Lafontaine und der Neunkirchener Bürgermeister Neuber.

Angst vor der Arbeitslosigkeit

So wie der Erfolg im Regelfall viele Väter hat, ist die Niederlage meist ein Waisenkind: Die Sieger suchen den Trend festzuschreiben, während die Verlierer danach trachten, den Ausnahmecharakter der derzeitigen Situation hervorzuheben.

Wolfgang Ebert: Gedankensplitter

Kaum hatte der bekannte bayerische Politiker Washington, den Wahlfahrtsort deutscher Staatsmänner, betreten, fiel er auch schon keineswegs aus der Rolle, sondern nur der eigenen Regierung in den Rücken und seinen Gastgebern zwar nicht vor die Füße, aber wenigstens um den Hals, als ginge es darum, die Zumutbarkeitsregeln für den feinen politischen Stil auf die Probe zu stellen.

Italien: Bumerang für Berlinguer

Drei Tage lang hatte das KP-Parteiorgan Unità mit fetten Schlagzeilen verkündet, sie sei im Besitz eines Dokumentes, aus dem sich ergebe: zwei christdemokratische Regierungsmitglieder, Minister Scotti und Staatssekretär Patriarca, seien im Mai 1981 mit dem neapolitanischen Camorra-Boß Cutolo im Gefängnis zusammengetroffen und hätten ihn in die Vermittlung eines Lösegelds von 14 Milliarden Lire (2,8 Millionen Mark) eingeschaltet, das den Roten Brigaden für die Freilassung des christdemokratischen Politikers Cirillo bezahlt wurde.

Afghanistan: Prekäre Lage für die Rebellen

Die Sowjetunion wies die Forderung, wie erwartet, als „Verleumdung“ zurück. Die Armeezeitung Krasnaja Swesda erneuerte die Version, ein „begrenztes Truppenkontingent sei von Afghanistan eingeladen“ worden, der Regierung in Kabul gegen die von Amerika unterstützten konterrevolutionären Kräfte zu helfen.

Frankreich: Opposition in der Provinz

Nach dem ersten Wahlgang am 14. März, bei dem nur Kandidaten mit absoluter Mehrheit der Stimmen durchkamen, versuchten die linken Parteien massiv, ihre Anhänger zu mobilisieren, um nach der Stichwahl vom vergangenen Sonntag nicht eindeutig als Verlierer dazustehen.

Eine Partei, aus der Not geboren

Am 17. Juni soll endgültig die neue linke Partei "Demokratische Sozialisten" gegründet werden. Ein Kongreß in Recklinghausen hat am Wochenende den Segen dazu gegeben.

Autonomie auf Bajonetten?

Ist das die Autonomie für die Palästinenser, wie sie sich Menachem Begin vorstellt? Auf den, der mit Steinen wirft, wird scharf geschossen – zwei junge Palästinenser, die auf diese Weise ihrem Protest gegen die Besatzungspolitik der Regierung in Jerusalem Luft machten, verloren in den letzten Tagen im Kugelhagel israelischer Soldaten ihr Leben; ein dritter wurde von einem jüdischen Siedler getötet.

Das Leben auf dem Lande

Über Jahrhunderte hinweg haben die meisten Menschen auf dem Land und vom Land gelebt. Seitdem die Industrialisierung gesellschaftliche Entwicklung und Alltagsleben prägt, ist von dieser bäuerlichen Welt kaum mehr als eine schwache Erinnerung geblieben – und die ist noch dazu zumeist falsch.

Die Industrialisierung der Meere

Ein optimistischer Konferenzplan weist der seit dem 8. März in New York laufenden Sitzung der Seerechtskonferenz entscheidende Bedeutung zu: An ihrem Ende soll nach fast zehnjähriger Verhandlungszeit ein fertiger Konventionsentwurf stehen, der dann im September in Caracas nur noch unterzeichnet werden müßte.

Auf Hasen wird nicht geschossen

Als erste siedelten sich Kaninchen an. In der Abenddämmerung hoppelten sie über die Wiese, knabberten an den Grashalmen – eine angenehme Abwechslung für die Autofahrer, die sich langsam von Kontrolle, von Schlagbaum zu Schlagbaum vorwärtsarbeiten.

Großes Dilemma für ein kleines Dorf

Nach Goethe „ein Dorf und Schloß an der Jagst“, Stammburg und Festspielort des Götz von Berlichingen: Jagsthausen. 1450 Einwohner, zwei Schlößchen, eine Kirche, drei Gasthäuser und drei, vier Kleinbetriebe.

Psychiatrie: Warum wurde das Mädchen sterilisiert?

Emstal-Merxhausen, in idyllischer Lage im Habichtswald vor Kassel gelegen, ist eines der großen psychiatrischen Landeskrankenhäuser der Bundesrepublik, mit über 600 Betten ein riesiger Komplex, der über ein ganzes Tal reicht.

Jugendpresse: Entsetzte Senatorin

Muß der Berliner Landesjugendring seine Zeitschrift Blickpunkt einstellen, weil die öffentlichen Subventionen dafür gestrichen werden? Bisher bekommt das „Jugend-Journal“, das monatlich in einer Auflage von 10 000 Heften erscheint, jedes Jahr 300 000 Mark aus den Töpfen der Bonner Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit, Antje Huber (SPD).

Knie an Knie

Nicht zu Unrecht sagt man den Schwaben eine besondere Eigenschaft im Sparen nach. Deshalb sollte auch nicht voreilig über die Nachricht gelacht werden, daß man im Tübinger Regierungspräsidium neuerdings einen Mercedes vom Typ Pullman als Sparmobil einsetzt.

Das Geschäft mit der Angst blüht nicht mehr: Gold ohne Glanz

Wo vor zwei Jahren noch wildes Gedrängel herrschte, ist heute oft gähnende Leere. Zwar versucht die Dresdner Bank immer noch, mit Sprüchen wie „Goldgeschenke sind immer beliebt und langfristig wertbeständig“, Kunden in ihre Filialen zu locken.

Vom Segen der Konkurrenz

Vor noch nicht mal einem Jahr wollte Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff die Manager der japanischen Autoindustrie zu einer Beschränkung der Exporte in die Bundesrepublik bewegen – jetzt melden die Statistiker einen drastischen Rückgang der Zulassungen für die Japaner.

Ostkredite: Regenschirm

Obwohl es Hinweise darauf gibt, daß neben der Sowjetunion auch andere Ostblockstaaten Polen geholfen haben, wenigstens die 1981 entstandene, Zinsschuld bei westlichen Banken abzutragen, gilt die sogenannte Regenschirmtheorie praktisch als geplatzt.

Siemens: Unter die Haut

Ein volles Haus hatte diesmal die Siemens AG bei ihrer Hauptversammlung. Die herbe öffentliche Kritik, die in den letzten Monaten an der Geschäftspolitik des deutschen Elektromultis geübt worden war, hatte auch viele kleine Aktionäre wachgerüttelt.

Zinsen: Schon abgekoppelt?

Die Deutsche Bundesbank senkte den Leitzins am 18. März von zehn auf neuneinhalb Prozent. Die Niederlande und die Schweiz ermäßigten ihren Diskontsatz um jeweils einen halben Prozentpunkt auf acht und fünfeinhalb Prozent.

Energiepreise: Billiges Öl wird teuer

Die Ölminister der dreizehn Opec-Staaten haben in Wien beschlossen, die Ölförderung zu drossein. Mit dem knapperen Angebot wollen sie die Kartells-Preise verteidigen.

Bonner Kulisse

Würde man versuchen, die Interessengegensätze, wie es sie in jedem Kabinett gibt, im sozial-liberalen Bonner Bündnis derzeit aber besonders oft, zu „personalisieren“, so könnte man dies am ehesten mit den Namen Herbert Ehrenberg und Otto Graf Lambsdorff tun.

Wienerwald: Die Zeche ist zu hoch

Das war Friedrich Jahns schwärzester Tag: Gerade als er mit einer Journalistengruppe zu einer seit Monaten vorbereiteten Reise in die USA aufbrechen wollte, versetzten den Inhaber des Wienerwald-Konzerns Presseberichte über Schwierigkeiten in seiner Unternehmensgruppe, über hohe Schulden und besorgte Banken in höchste Aufregung.

Börsen-Report: Gewinne werden steigen

Die Analyse-Abteilungen der Banken wagen sich mit ersten Ergebnisschätzungen für das laufende Jahr hervor. Die Deutsche Gesellschaft für Anlageberatung mbH (Degab), der Deutschen Bank nahestehend, kommt zu dem Schluß, daß die Ergebnisse der von ihr untersuchten börsennotierten Unternehmen bis zu zehn Prozent höher liegen werden als im vergangenen Jahr.

ZEIT spart Geld

Die obersten Finanzbehörden der Länder haben jetzt die Möglichkeit einer Einliegerwohnung in Eigentumswohnungen ausdrücklich anerkannt.

Kein Rückzug

Walden: Der Wunsch, das Verfahren ruhen zu lassen, ist wörtlich zu nehmen: Eine Beruhigung der teilweise erheblich nervösen Öffentlichkeit erscheint uns wünschenswert.

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