ARD, Sonntag, 28. März, 17.45 Uhr: „Regenbogenkämpfer“, Bericht von Wilhelm Bittorf und Ulrich Pfau

Sie fahren in die Schußlinie von Walfänerharpunen, schwimmen in ätzender Brühe von Chemiemüllfrachtern, besetzen Fabrikschlote, blockieren Schiffe, die atomaren Abfall ins Meer kippen: Greenpeace-Kämpfer. Dieser Name steht weltweit für Aktionen gegen die Zerstörung menschlicher Umwelt. Seit 1971 gibt es diese internationale Organisation, die mit konsequent gewaltfreien Kampagnen gegen die Vergiftung und Ausplünderung der Natur protestiert. Das Symbol der Greenpeace-Bewegung stammt aus der indianischen Mythologie, und auch der Name Rainbow Warner hat mit einer alten indianischen Prophezeiung zu tun: Wenn der weiße Mann alle Flüsse vergiftet und alle Wälder hat sterben lassen, werden es die Regenbogenkämpfer sein, die Mensch und Natur vor endgültigem Untergang bewahren werden.

Wilhelm Bittorf und Ulrich Pfau begleiten in ihrem Dokumentarfilm zwei spektakuläre Aktionen der deutschen Greenpeace-Gruppe mit der Kamera. Einmal den Einsatz der „Sirius“-Besatzung, die ein Dünnsäureschiff der Firma Kronus am Verklappen von Giftmüll vor Helgoland hindern konnte, und die Besetzung eines Fabrikschornsteins der Firma Boehringer, die in Hamburg-Moorfleet die hochgiftigen Stoffe HCH und 245 T produziert.

Der Film zeigt, wieviel Zivilcourage, Intelligenz, Phantasie, Geduld und Präzision das Greenpeace-Team aufbringen muß, um einen effektiven Protest bis ins Detail zu planen und zu realisieren. Kein Platz für Naturmystiker, Träumer und Spontis, keine unverbindliche Schwärmerei. Mit ruhiger, beharrlicher Kamera setzen Bittorf und Pfau das in überzeugende Bilder. Sie spekulieren nicht auf das Sensationelle der tatsächlich tollkühnen Aktionen. Keine aufgeregte Reportage, sondern ein Film, der fasziniert, weil gelassen dokumentiert. Disziplin und überlegene Fairness beweisen die Greenpeace-Akteure auch im äußersten Risikofall, da, wo es für die exponierten Regenbogenkämpfer ums Überleben geht.

Der Film zeigt auch die andere Seite: Werksleitung und Arbeiter der Chemiefir-, ma Boehringer, deren Argumentation von der Angst um den Arbeitsplatz diktiert wird. Und dann die Behörden: Nach fünf (!) Stunden Wartezeit verliest ein Sprecher der Hamburger Behörde für Naturschutz und Umweltgestaltung einen Text, in dem auf eine Broschüre mit dem Titel „Umweltschutz und Garten“ verwiesen wird und die Tatsache, daß HCH- und 245 Thaltige Mittel auch von privaten Gartenbesitzern nicht verwandt werden sollten. Diese beklemmende Sequenz gibt der Dokumentation satirische Dimensionen. Das hätte selbst Hildebrandt nicht erfinden können. Indolenz und Arroganz der Macht gegen das vitale Engagement einer winzigen Gruppe. David und Goliath.

Ich versuche mir vorzustellen, wie der Kapitän des Verklappungsschiffes, die Firma Boehringer oder der Behördensprecher reagiert hätten, wenn keine Filmkameras, keine Fernsehjournalisten, keine Anwälte dabei gewesen wären.

Etwas habe ich in diesem Informationsfilm vermißt: Adresse und Kontonummer der Greenpeace Foundation, die von Spenden lebt. Wegen einer sinnlosen Vorschrift der Sendeanstalten mußten die Filmemacher den Zuschauern diese Information schuldig bleiben. (Offenbar halten die Sender es für eine praktikable Lösung, wenn Zehntausende von Zuschaueranfragen mit gewaltigen Portokosten beantwortet werden müssen.) Hier ist sie: Greenpeace, Hohe Brücke 1, 2000 Hamburg 1, Konto 1120 700 000 bei der Bank für Gemeinwirtschaft Hamburg.

Diesen wichtigen Film sendet die ARD am Spätnachmittag – zur besten Sendezeit an diesem Sonntag läuft ein Bericht über den Alltag einer hessischen Polizeieinheit. So setzen Programmdirektoren Prioritäten. Ute Blaich