Von Peter Sichrovsky

Peking, zwanzig Jahre später ... ein Satz, der mich nachdenklich stimmt. Wie das klingt! Er erinnert mich an alte Tanten, die von früheren Zeiten schwärmen. Sind das die ersten Anzeichen des Älterwerdens?

Diese Gedanken beschäftigen mich, im Flugzeug sitzend, auf dem Weg nach Peking – eben zwanzig Jahre später.

Damals (auch dieses Wort habe ich bis jetzt nicht sehr häufig verwendet) lebte ich, zwölf Jahre alt, mit Eltern und Brüdern in Wien. Als mir mein Vater erzählte, er würde als Korrespondent nach China gehen und die ganze Familie mitnehmen, wirkte das auf mich nicht anders als die Ankündigung der nächsten Urlaubsreise. Wo lag schon Peking. Am nächsten Tag erzählte ich es einigen Mitschülern und wurde vor allem von jenen ausgelacht, die sich in Geographie besser auskannten als ich.

Doch im September 1959 packte ich meine Lieblingsbücher und -Spielsachen zusammen. Meine Lehrer, die mir alles Gute wünschten, waren noch verwirrter als ich, obwohl ich Peking inzwischen auf dem Globus gefunden hatte. Wer fuhr damals für zwei Jahre nach China – noch dazu mit der ganzen Familie?

Am 3. 11. begann unsere Reise, sie war umständlich und mühsam. Von Wien mit der Bahn nach Prag, per Flug nach Moskau und weiter nach Omsk. Übernachtung wegen schlechten Wetters, dann nach Irkutsk; Auch hier stundenlanges Warten in einem Flughafengebäude, das eher aussah wie ein billiges Hotel. Am 11. 11. landeten wir in Peking, wir waren über eine Woche lang unterwegs.

Meine Tagebucheintragung vom Ankunftstag lautet: „Erstes chinesisches Essen am Flughafen in Peking – Wiener Schnitzel!“ Ich war enttäuscht, die Ankunft in Asien hatte ich mir anders vorgestellt.