Von Helgard Kühne

Für den Bremer Bürgermeister war schon Ende vergangenen Jahres „endgültig Schluß“. „Wir können nicht länger von einer Werftkrise in die andere fallen“, schimpfte Hans Koschnick damals im Kreis von politischen Freunden, „wir brauchen dringend eine richtige Lösung, eine, die das Überleben der bremischen Werften langfristig sichert,“

In einem Vierteljahr wird er sie haben – die Konzeption, mit der die Werftkrise an der Weser dauerhaft in den Griff zu kriegen sein soll. Seit ein paar Wochen nämlich arbeiten professionelle Unternehmensberater von Kneight-Wegenstein (Zürich) und Kienbaum (Gummersbach) an einem „Gutachten über die Situation der Werften im Lande Bremen“.

Daß der Auftrag – dessen Kosten in Höhe von rund einer Million Mark zu einem wesentlichen Teil von den Unternehmen selbst getragen werden – ausgerechnet jetzt, und dazu so schnell, erteilt wurde, ist angesichts der Ereignisse des vergangenen Jahres nur logisch. Im Januar 1981 spitzte sich gleichzeitig bei zwei Bremerhavener Werften, bei Schichau und Rickmers mit zusammen rund 2500 Beschäftigten, die Lage zu. Beide produzieren ihre Schiffe seit Jahren kaum noch komplett, sondern in Einzelteilen, weil ihr Standort an dem kleinen Flüßchen Geeste den Bau großer Einheiten nicht zuläßt. „Ein auch nur teilweiser Verbleib der Betriebe an. der Geeste führt angesichts der ungünstigen Standortbedingungen und weiterhin zersplitterter Betriebsstruktur zu dauerhaften Wettbewerbsnachteilen, die ein Überleben der beiden Betriebe ohne Dauersubventionen unmöglich machen“, bestätigte die Bremer Wirtschaftsbehörde.

Der politisch verantwortliche Senator, Karl Willms (SPD), schlug zur Sanierung der Werften – und um seiner Heimatstadt Bremerhaven das Schicksal zweistelliger Arbeitslosen-Prozent-Zahlen zu ersparen – vor, mit etwa dreißig Millionen Mark aus dem Landeshaushalt die gemeinsame Umsiedlung der fusionswilligen Schiffbaubetriebe in den Bremerhavener Fischereihafen zu unterstützen.

Wochenlang stritten sich Gegner und Befürworter lautstark und öffentlich, ob, aber auch um welchen Preis die Millionen aus dem strapazierten Staatssäckel abgezweigt werden sollten; immer lauter wurde die Angst vor möglicherweise „verlorenen Zuschüssen“. Die Folge: Bis heute, also über ein Jahr später, ist keine endgültige Entscheidung gefallen.

Im Sommer wurde die Diskussion plötzlich von einem ungleich größeren Problem überlagert! Der Krupp-Konzern wollte die traditionsreichste Bremer Werft, die AG Weser, stillegen, zu hoch schienen dem Großaktionär die Verluste der vergangenen Jahre. Doch was der Vorstand der AG Weser an Sanierungsvorschlägen unterbreitete, wollten weder der Betriebsrat noch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat mittragen. Sie befürchteten, daß bei den Vorstandsplänen „einige hundert Arbeitsplätze“ verlorengehen würden und – daß die zweieinhalbtausend Mitarbeiter in Gröpelingen zukünftig ausschließlich mit Reparaturarbeiten beschäftigt würden.