Die Blauhelme der UNO hielten im Nahen Osten nicht nur ihre Köpfe hin. Im Dienste der Weltgesundheitsorganisation schluckte die Friedenstruppe einen neuen Typhus-Impfstoff. Dieser hat nun seine Feuerprobe bestanden und kommt am 1. April in der Bundesrepublik in den Handel.

Für Reisende in Ländern mit niedrigem Hygienestandard empfiehlt sich grundsätzlich eine Impfung gegen Typhus.“ Diesen Rat gab die Akademie für Ärztliche Fortbildung in Mainz bis heute den Hausärzten, obwohl die Impfstoffe nicht uneingeschränkt empfohlen werden konnten. Doch solche Bedenken gehören jetzt der Vergangenheit an: Ein neuer Impfstoff (Typhoral L, Behring-Werke Marburg) bietet nun einen sicheren Schutz und schließt Nebenwirkungen fast vollständig aus.

Erreger des Typhus ist ein weltweit verbreiteter Salmonellenstamm. Ubertragen wird die Erkrankung durch infizierte Speisen und verseuchtes Trinkwasser. Die Erkrankung beginnt allmählich mit Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen. In der ersten Krankheitswoche steigt das Fieber an, die Patienten klagen über Schlaflosigkeit, Schwindel, Bronchitis, Durst und Verstopfung. In der zweiten Krankheitswoche ist das Bewußtsein getrübt, die Kranken haben Fieber um 40 Grad und bekommen einen hellroten, kleinfleckigen Hautausschlag. Wenn das Fieber fällt (meist in der dritten Woche), beginnen die gefürchteten Komplikationen wie Darmbluten und -durchbruch, Lungenentzündung, Thrombose und Herzmuskelentzündung. Von diesem typischen Verlauf gibt es allerdings zahlreiche Abweichungen mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern.

Nicht nur davor schützt der neue Impfstoff, sondern er verhindert auch, daß Rekonvaleszenten durch Salmonellenausscheidung ihre Umwelt gefährden. Der Impfstoff ist eine Lebendvakzine, das heißt, er enthält abgeschwächte, lebende Erreger, die im Körper des Geimpften die Bildung von Abwehrstoffen anregen. Besonders angenehm vor allem für Leute mit Spritzenangst: Der Impfstoff wird geschluckt.

Die Verträglichkeit der Vakzine ist ausgezeichnet: Säuglinge ab vier Monaten, Schwangere und alte Menschen können unbedenklich immunisiert werden und brauchen sich vor Nebenwirkungen nicht zu fürchten. Nur äußerst selten treten kurzfristig leichte Durchfälle, Fieber oder Kopfschmerzen auf – wie das Beispiel der unerschrockenen UNO-Kämpfer im Nahen Osten zeigte. Christoph Janssen