Von Rudolf Herlt

Die Deutsche Bundesbank senkte den Leitzins am 18. März von zehn auf neuneinhalb Prozent. Die Niederlande und die Schweiz ermäßigten ihren Diskontsatz um jeweils einen halben Prozentpunkt auf acht und fünfeinhalb Prozent.

Es gibt keine Kapitalverkehrskontrollen zwischen der Bundesrepublik und ihren Partnern, wo immer sie geographisch liegen mögen. Es gibt auch keine gemeinsame Verteidigung der Leitkurse im Europäischen Währungssystem (EWS) gegenüber dem Dollar. Kurz, es ist nichts Unkeusches geschehen, und dennoch beträgt die Differenz zwischen den deutschen und den US-amerikanischen Zinsen zur Zeit sechs Prozent. Und obwohl die deutschen Zinsen soviel niedriger sind als die amerikanischen, gibt es keinen beunruhigenden deutschen Kapitalexport. Es gibt keinen tun in den Dollar mit seinen immer noch exotisch hohen Zinsen.

Das ist eigentlich genau das, was man gemeinhin unter Abkoppeln versteht. Das deutsche Zinsniveau sinkt ohne Rücksicht auf das amerikanische. Dabei ist die Mark gegenüber dem Dollar sogar schwach. Aber für diese Art des „sauberen“ Abkoppeins kommt es nicht so sehr auf die Entwicklung des Dollarkurses an.

Viel entscheidender sind die Erwartungen über die wirtschaftliche Gesamtentwicklung. Das Februar-Ergebnis unserer Handelsbilanz hat der Bundesbank wieder recht gegeben. Sie ist mit ihrer Währungspolitik auf dem richtigen Wege. Mit fortdauernden Exporterfolgen läßt sich das Leistungsbilanzdefizit der Bundesrepublik weiter abbauen.

Im Ausland wird dieser positive Trend sehr genau Zur Kenntnis genommen. Die Folge ist eine grundsätzlich veränderte Einstellung zur Mark. Sie wird wieder für eine Währung gehalten, die zu den stärkeren gehört. Wenn man sie als Anlagewährung benutzt, kann eigentlich nichts schiefgehen: Was an Zinsgewinnen fehlt, läßt sich über Aufwertungsgewinne wettmachen.

Das ist der Hintergrund, der es der Bundesbank erlaubte, den gegenwärtigen Leitzins, den Sonderlombardsatz, von ursprünglich zwölf auf inzwischen 9,5 Prozent zu senken. Die beiden anderen Länder mit starken Währungen, die Schweiz und die Niederlande, zogen mit.