Das Buch des Berliner Historikers Arnulf Baring über die Hintergründe des Brandt-Rücktritts 1974, schon mit dem Titel „Machtwechsel“ von höchst peinigender Aktualität, hat nicht nur für Wirbel und Betroffenheit in den Bonner Amtsstuben gesorgt; es hat nun auch die vornehme Stuttgarter Deutsche Verlags-Anstalt in Turbulenzen gestürzt: Zwei einstweilige Verfügungen sind ihr ins Haus geflattert.

Der von der FDP zur CDU übergewechselte ehemalige Bundestagsabgeordnete Wilhelm Helms erwirkte eine einstweilige Verfügung – falsch sei Barings Behauptung, er habe sich beim Mißtrauensvotum gegen Brandt, „von der Rede Walter Scheels beeindruckt“, der Stimme enthalten. Ein so empfindliches Detail der jüngeren Politikgeschichte muß ein Beteiligter wohl korrigieren dürfen.

Die zweite einstweilige Verfügung, die jede weitere Verbreitung des Buches untersagt, klingt eher wie eine Farce: Klaus Harpprecht will sich keinen Briefbogen als „Special Consultant to Chancellor Willy Brandt“ gedruckt haben. Die Behauptung, 1973 von Eduard Neumaier in der ZEIT ausgebreitet, läßt er nun per Anwalt verbieten. Da hält die Welt den Atem an – und der Verlag die Druckpressen.

Fünfzehntausend Exemplare sind im Handel, „Machtwechsel“-Autor Baring meditiert bei einem Guru in Indien. Verlagschef Frank-Planitz muß das Buch für den Nachdruck korrigieren oder Zeilen schwärzen. So werden wir nicht erfahren und erst spätere Generationen darüber promovieren dürfen, ob es stimmt – was Baring aus einem ZEIT- Aufsatz von Horst Krüger herauslas und was zu behaupten ihm nun verboten wurde –, daß Klaus Harpprecht „manchmal die Unternehmungen, die man ihm anvertraut, mit in die Tiefe gerissen habe“. F. J. R.