Vor noch nicht mal einem Jahr wollte Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff die Manager der japanischen Autoindustrie zu einer Beschränkung der Exporte in die Bundesrepublik bewegen – jetzt melden die Statistiker einen drastischen Rückgang der Zulassungen für die Japaner. In den ersten zwei Monaten dieses Jahres rutschte die größte Automobilnation der Welt in der Bundesrepublik sogar auf den zweiten Platz unter den Importeuren ab. Frankreich, im Sommer 1980 von den Japanern überholt, konnte wieder den ersten Rang belegen.

Nicht Lambsdorffs Sünde wider das Gebot des freien Welthandels, nicht Zurückhaltung der Exporteure aus Fernost haben das bewirkt, sondern die Anstrengungen der europäischen Konkurrenten. In den Mängelstatistiken von Technischen Oberwachungsvereinen und Automobilclubs waren nicht mehr die besten Plätze für japanische Autos reserviert; in Ausstattung und Preis ist nicht mehr ein Angebot aus Japan in jedem Fall die günstigste Alternative.

Zum Nutzen der Verbraucher kann es sich inzwischen kaum ein Hersteller mehr leisten, Sparmodelle mit spartanischer Ausstattung anzubieten. Dank der japanischen Herausforderung werden heute nicht mehr nur für teure, exklusive Sportwagen Langzeitgarantien gegeben, sondern auch für normale Massenautomobile.

Abgeschlagen ist der Angriff der japanischen Importe damit jedoch noch nicht. Zwar ist kurzfristig nicht mit einem deutlichen Anstieg der Zulassungen für Autos aus Fernost zu rechnen – schon die stark gesunkenen Verschiffungen in Japan sind dafür ein Indiz –, auf mittlere und längere Sicht jedoch sind neue Vorstöße aus Tokio sicher.

Denn der Weltmarkt wird eng für die Hersteller, und irgendwo müssen sie Absatz für zwölf Millionen Autos im Jahr finden. Zu Hause läuft das Geschäft aber nicht mehr so wie geplant; in die USA, den größten Automarkt der Welt, können Nippons Autofabriken wegen der versprochenen Selbstbeschränkung nicht so viele Wagen liefern, wie sie möchten. In die Bundesrepublik, den größten freien Markt Europas, werden die Autos deshalb letztlich doch wieder verschickt. Neue Modelle, die den besser gewordenen heimischen Autos wieder Paroli bieten sollen, sind dazu in Vorbereitung.

Außerdem hat die japanische Konkurrenz noch Spielraum in ihren Preisen. Denn wenn man schon in den USA die Nachfrage aus politischen Gründen nicht befriedigen darf, was liegt da näher, als die Preise dort so lange anzuheben, bis das Angebot dem vorgeschriebenen Absatzziel entspricht? Höhere Preise anderswo machen dann aber Preissenkungen etwa in der Bundesrepublik möglich.

Die Schlappe, die deutsche und europäische Autohersteller der Konkurrenz aus Japan in den letzten Monaten beibringen konnten, bringt deshalb allenfalls eine Atempause. Danach aber ist neben den Japanern mit einem weiteren potenten Wettbewerber zu rechnen: Mitte der achtziger Jahre werden die großen Autokonzerne der USA erstmals auf breiter Front mit konkurrenzfähigen sparsamen Automobilen auf den Weltmarkt drängen. Doch dagegen gibt es ein Rezept, das sich auch diesmal bewährt hat: gute Produkte.

Richard Gaul