Zum erstenmal seit mehr als 50 Jahren müssen die Aktionäre der Beiersdorf AG, Hamburg, für ihr Unternehmen in die Tasche greifen. Die Gesellschaft, die sich bisher aus eigener Kraft finanzierte, Will eine Wandelanleihe auflegen.

Das Finanzierungsinstrument Wandelanleihe verkümmert in der Bundesrepublik. Das ist insofern überraschend, als gerade in Zeiten hoher Kapitalmarktzinsen für die Unternehmen ein Anreiz bestehen sollte, sich über die Auflage niedrig verzinslicher Wandelanleihen zunächst einmal preiswertes Fremdkapital zu beschaffen, das möglicherweise später in Eigenkapital umgewandelt wird.

Wenn Wandelanleihen in der Vergangenheit nicht immer auf große Liebe bei den Sparern gestoßen sind, dann einmal sicherlich wegen der Schwierigkeit, sich mit der Technik des Wandeins vertraut zu machen, aber auch wegen der manchmal – aus der Sicht der Anleger – überzogenen Wandlungskonditionen. Sie waren in der Regel darauf abgestellt, daß die Aktienkurse während der Laufzeit der Anleihe steigen würden. Deshalb wurde der Wandlungskurs oftmals zu hoch angesetzt. Denn in den letzten Jahren ist das Gros der deutschen Aktien eben nicht mehr gestiegen. Für die Zeichner der Wandelanleihe blieb dann nur ein Papier mit nicht marktgerechter Verzinsung.

Der Vorstand der Beiersdorf AG, Hamburg, geht mit seiner projektierten Wandelanleihe einen anderen Weg. Sie wird mit einem Nominalzinssatz von acht Prozent ausgestattet werden. Dies ist sicherlich bereits ein Entgegenkommen an die Aktionäre, wenn man davon ausgeht, daß der Zinssatz in den nächsten Jahren zurückgehen dürfte.

Bei deutschen Wandelanleihen ist ein solcher Zinssatz allgemein nicht üblich. Mit ihm ausgestattet ist die Wandelanleihe der BayWa AG, München. Die Girmes-Werke AG zahlt für ihre im Jahre 1974 aufgelegte Wandelanleihe sogar neun Prozent.

Die Höhe des Nominalzinssatzes, meine verehrten Leser, ist für den Zeichner nicht nur wegen der laufenden Verzinsung von Bedeutung. Sie stützt den Kurs der Wandelanleihe dann, wenn der Aktienkurs des Unternehmens unter den Wandlungspreis zurückfällt. Im Falle Beiersdorf wäre das allerdings ungewöhnlich.

Dazu ein Blick auf die Wandlungskonditionen: Der Anleihebetrag lautet über 98 Millionen Mark. Er wird den Aktionären im Verhältnis 3:2 (das Beiersdorf-Aktienkapital beträgt 146 Millionen Mark) zur Übernahme angeboten. Auf sechs Beiersdorf-Aktien über je 50 Mark Nominalwert sind also Wandelanleihen im Nominalwert von 200 Mark zu beziehen.