Freiburg

Was hat der Schauinsland mit dem Mount Everest gemeinsam? Bei beiden handelt es sich um Berge, der eine im Schwarzwald, der andere im Himalaja gelegen. Das trifft zwar den Kern, ist aber in diesem Fall von zweitrangiger Bedeutung. Was den deutschen Berg auf die Höhe des Everest hebt (bildlich gesprochen), ist beider Eintragung in das „Internationale Register für Kulturgut unter Sonderschutz“. Diese Liste liegt bei der UNESCO in Paris auf und soll ganz besonders wichtige Kulturstätten vor Zerstörung im Kriegsfall bewahren.

Man erkennt diese Stätten daran, daß dort gut sichtbar ein von der UNO geschaffenes blau-weißes Symbol aufgestellt ist. Es signalisiert kriegführenden Parteien: Dieses Objekt ist für euch tabu.

In einfacher Form hängt dieses Schild schon an rund 15 000 Stellen in der Bundesrepublik, an Häusern, Schlössern, Kirchen, Museen. Die Nachfrage nach den Schildern ist steigend – Verkehrsämter betrachten sie als besonderen Ausweis für ihre Touristenattraktionen.

Es gibt auch Orte, die für würdig erachtet werden, mit drei dieser Zeichen geschmückt zu werden, die von fern wie fallende Bomben aussehen. Die beiden oben genannten Berge gehören dazu.

Freilich: Der deutsche Berg ist nicht an sich schützenswert, nur sein „Inhalt“ verdient die besondere Aufmerksamkeit von Strategen und Bomberpiloten. Denn der Schauinsland ist seit mehreren Jahren so eine Art „Endlagerstätte“ für deutsches Kulturgut. Bei gleichbleibender Temperatur liegt hier – auf Mikrofilm konserviert – Archivmaterial aus mehreren Jahrhunderten, das als wertvoll genug gilt, der Nachwelt erhalten zu bleiben. Darunter befinden sich Urkunden aus dem Mittelalter, Akten aus der NS-Zeit und Adenauers Nachlaß, aber auch jene Gemälde, die in der Hamburger Ausstellung „Experiment Weltuntergang“ gezeigt worden sind.

Die Definition dessen, was Kultur ist und was nicht, die Entscheidung, welches Material – in Plastik und Stahl verpackt – einen atomaren Schlag überleben darf, trifft in der Bundesrepublik eine Kommission. Ihr gehören Beamte, Kunstsachverständige, Museumsdirektoren und Militärs an.