Was treibt die SPD um, außer ihren Grübeleien über die jüngste Wahlniederlage? Der Wälzer von 700 Seiten mit Anträgen zum Münchner Parteitag vom 19. bis 23. April gibt darüber einigen Aufschluß. Wenig starke Worte, wenig Reizworte finden sich darin, aber auch wenig Buntes und Originelles. Die Gesamtstimmung: Moll. Längst kann man die Ortsvereine an einer Hand abzählen, die meinen, nun sei es aber endlich Zeit für den „Bruch mit dem Kapitalismus“

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Sogar der Koalitionspartner FDP wird nur selten beschimpft. Sätze wie der folgende stellen schon eine Ausnahme dar: „Die bisherige Haltung einiger führender Sozialdemokraten sowie die Hinnahme von Pressionen und Taschenspielertricks der FDP, vor allem des Wirtschaftsministers, werden bei unserer Stammwählerschaft – den Arbeitnehmern – immer, weniger verstanden und führen zu Resignation und Verbitterung.“ Der Bezirk Hannover fordert Fraktion und Regierung auf, „sozialdemokratische Grundpositionen in einem höheren Maße durchzusetzen, als dies bisher geschehen ist“. Da funkt allerdings die Antragskommission dazwischen und empfiehlt lapidar: „Nichtbefassung.“

Wer geglaubt hat, in Wort und Ton breche nun gesammelter Unmut über Helmut Schmidt zusammen, hat sich geirrt: so viel Anträge, die derart Rühmenswertes über den Kanzler zu sagen wissen, dürfte es selten vor einem Parteitag gegeben haben. All das Lob gilt den Anstrengungen des Kanzlers, die Entspannungspolitik zu retten und sich nicht in eine Aufrüstungspolitik treiben zu lassen. „Die internen Bemühungen Helmut Schmidts haben dazu beigetragen, daß der Gesprächsfaden nicht abreißt...

Es ist Helmut Schmidts und Willy Brandts Erfolg, den Ost-West-Dialog wieder in Gang gebracht zu haben ... begrüßt der Parteitag ausdrücklich die Reisen von Helmut Schmidt... Daß die Supermächte jetzt endlich, nicht zuletzt auf ständiges Drängen von Bundeskanzler Helmut Schmidt, die Verhandlungen in Genf aufgenommen haben...“ Wie ein Refrain kehrt das wieder.

Die gleiche Partei – und das ist gar kein Widerspruch – beschwört allerdings in überwältigender Vielfalt zugleich die Regierenden, sich nicht auf die Stationierung von Mittelstreckenraketen einzulassen. Mindestens ein Moratorium wird gewünscht, am liebsten gleich ein hartes „Nein“.

„Die SPD war immer die Partei des Friedens“, so beginnen viele Anträge, fast in elegischem Unterton.