Franz Josef Strauß und seine Träume in Amerika

Von Michael Naumann

Washington, im März

Von Macht erregt“, so einer seiner erschreckten amerikanischen Gesprächspartner, riet der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß hohen Beamten des State Departments, die Niedersachsenwahl vor Augen, sich jetzt schon auf christdemokratische Zeiten in der Bundesrepublik einzurichten: „Merke – keine Hilfe für Helmut Schmidt.“

War der Schmidt einst unterlegene Unionskandidat nach Washington geeilt, 18 Journalisten und den Sohn Max (der „Infant von Bayern“) im Gefolge, um der Bonner Koalition, von amerikanischen Freunden am Gesinnungshof des Präsidenten unterstützt, einen Gnadenstoß zu versetzen? Einer seiner Gesprächspartner, der erzkonservative Kolumnist Rowland Evans, weiß nach der weiß-blauen Staatsvisite, daß es in der Regierung einen „gewissen Stimmungsumschwung gibt – die Idee ist dem Weißen Haus nicht mehr völlig fremd, daß eine CDU/CSU-FDP-Koalition der gesicherten Zukunft des Westens und Amerikas dienlich ist“. Franz Josef Strauß stand nicht an, sie eine Woche lang in der amerikanischen Hauptstadt auf seine Art zu verbreiten.

Ein telegenes Tableau

Zwitschernde Amseln im Buchenbaum, zahme, wenn auch nur graue Eichkatzerln zu Füßen des Ministerpräsidenten und im dekorativen Hintergrund das Weiße Haus – das telegene Tableau stimmte, als Franz Josef Strauß beschwingt wie nach einem Glas Champagner aus dem Oval Office und nach 35minütiger Audienz beim Präsidenten einer Gruppe seltsam feindseliger US-Journalisten die fernen deutschen Machtverhältnisse erklärte: „Dr. Zimmermann und ich repräsentieren 50 Prozent der deutschen Wähler, und zwar seit einem Jahr.“ Da lag es nahe, daß seine Darlegungen in Washington vier Tage lang konditional ornamentiert schienen: „Wäre ich oder Herr Kohl Kanzler...“