Seekranke Söldner

Anfang März scheiterte erneut ein Versuch, das Regime Jean Claude Duvaliers („Baby Doc“) auf Haiti zu stürzen. Die über Zeitungsanzeigen vom „Rat für die Nationale Befreiung von Haiti“, einer Exilorganisation in Miami, angeworbenen Söldner waren von Florida aus mit zwei Kabinenkreuzern in See gestochen, wo sie jedoch alsbald der amerikanischen Küstenwache kampflos in die Hände fielen. Den meisten der schwerbewaffneten Möchtegern-Invasoren dürften die Polizeibeamten eher als rettende Engel erschienen sein: Sämtliche sechzehn Besatzungsmitglieder der beiden hilflos auf den Wellen tanzenden Boote litten so stark unter der Seekrankheit, daß sie gar nicht daran dachten, Gegenwehr zu leisten.

Pannen oder Politik im Kreml?

Zufall oder nicht, mit der Koordination klappt es zur Zeit im Kreml und in den sowjetischen Medien schlecht. Nach den rätselhaften Informationen aus Moskauer Geheimdienstkreisen und nach einem versteckten Querschuß gegen Breschnjew in der Presse würde, auch der neuernannte Gewerkschaftschef Stepan Schalajew auf merkwürdige Weise kritisiert. Er war kürzlich überraschend für den bisherigen Gewerkschaftschef Schibajew eingesetzt worden. Ausgerechnet am Tag der Einsetzung würde Schalajew auf der Titelseite der Iswestija gerügt. Das Blatt berichtete über Untersuchungen des Eisenbahnministeriums, denen zufolge ungenügende Verladearbeiten der papier- und holzverarbeitenden Industrie zu erheblichen Einbußen im Transportwesen geführt hätten. Der Name des verantwortlichen Ministers, den die Iswestija auch erwähnte: Stepan Schalajew, der gerade am Tag dieser kritischen Veröffentlichung seinen Ministersessel mit dem höheren Gewerkschaftsposten tauschte. Eine Panne – oder gezielte Politik gegen Schalajew, den Schützling des Kreml-Kronprinzen Tschernjenko?

Doppelt heiliger Rasen

Fußball gegen Papst? Diese Kontroverse zeichnete sich für den Besuch Pauls VI. im Mai in London ab, denn durch die geplante Messe im Wembley-Stadion geriet ein Cup-Spiel in Gefahr. Als Retter Tausender Fußballfans profilierte sich der Architekt Gerald Murphy: Er entwickelte einen Plan, der es ermöglicht, den „heiligen“ Wembley-Rasen innerhalb von 36 Stunden mit hölzernen Dielen und Segeltuch abzudecken, die notwendigen Absperrungen aufzustellen und vor allem ein Stahl-Podium von 44 Tonnen Gewicht zu errichten, dessen Elemente auf Lastwagen in Bereitschaft gehalten werden sollen. Die Stadion-Behörden erwiesen sich als „überaus kooperativ“; die drohende Polarisierung zwischen den Londoner Anhängern der Fußballgötter und des Papstes wurde vermieden.

Indischer Kult