ZDF, Sonntag, 28. März: „Litera-Tour XXV“, Gastgeber: Reinhan Hoffmeister

Abschied von Reinhart Hoffmeisters Litera-Tour, mit einem Dankeschön fürs Gehabte und einer Träne, weil’s nun vorbei ist: die fünfundzwanzigste Sendung war – wirklich? – zugleich auch die letzte. Das ZDF, dies muß man ihm lassen, versteht sich darauf, seine Jubiläer. zu feiern. Für Gerhard Löwenthals martialisches Abendgebet, Sei gepriesen, du Kreuzzug gegen den altbösen Feind aus dem Osten, ein Blankoscheck bis zum Ende der Tage, und für Hoffmeister die rote Karte: das nenne ich mir Ausgewogenheit!

Zum großen Finale, dem nicht für ihn, sondern für die Anstalt beschämenden, zeigte der Litera-Tour-Moderator noch einmal, was in seiner Sendereihe steckt, und machte deutlich, welche Konzeption sich, über die Jahre hinweg, hätte realisieren lassen. Kein Sammelsurium, sondern Beschränkung auf ein Thema. Wort und Musik: ein Mit- und kein Neben- oder gar Gegen-Einander. Entwurf eines Panoramas, in dem jedes Detail seinen bestimmten, aufs Ganze bezogenen Stellenwert hat – ein Ganzes wohlgemerkt, das mehr ist als die Summe der Teile.

Fünf Autoren und drei Liedermacher variierten den Begriff Heimat: was für den einen, Thomas Brasch, eine abgegriffene Spielkarte war, was der zweite, Martin Gregor-Dellin, im Sinne Blochs als Zuhause verstand, das, in der Form einer gesellschaftlichen Realität, erst bevorstünde, das war für den dritten und vierten, Michael Buselmeier aus Heidelberg und den Bayern Franz Xaver Kroetz, selbstverständliche Realität – und dann kam der fünfte, Adolf Muschg, und stellte dergleichen spontanes Heimatverhältnis in Frage, worauf der Liedermacher Wader dem Poeten Kroetz zur Seite sprang: Ja, das war intelligent, scharfzüngig, aspektreich und hätte, statt raffender Zusammenfügung, eine Live-Darbietung verdient: Ich kann mich nicht entsinnen, in den letzten Monaten eine ähnlich spannende, mit Engagement und einem Höchstmaß an Artikulationsfähigkeit geführte Diskussion verfolgt zu haben.

Da gab’s spontane Bekenntnisse, aber auch viel Skepsis und nüchterne Zurücknahme, Ironie und kritische Selbstreflexion, weil die schrecklichen Seiten der Heimat, die nun auch einmal dazugehörten, das Einerlei und die Borniertheit, zu wenig zur Sprache gekommen seien. Bravo und Dacapo: will heißen, die ZDF-Oberen seien gebeten, sich diese Sendung noch einmal sehr genau anzuschauen und dann zu entscheiden, ob Litera-Tour, in dieser Form und auf diesem Niveau, am Ende nicht doch weitergeführt werden sollte.

Weisheit zeigt sich am sichtbarsten dort, wo einer bereit ist, Fehler zu korrigieren – und die Souveränität hat, dies offen einzugestehen. Momos