In der Karwoche werden Kreuzwegdarstellungen durch die Dörfer getragen

Von Peter Krempin

Dumpfer Trommelklang dröhnt durch die Gassen. Der Rhythmus wirkt fordernd, zwingt zum Mitmachen. An Weiterschlafen ist jedenfalls nicht zu denken, auch wenn es an diesem Aprilmorgen noch fast dunkel draußen ist. Düstere Regenwolken fegen über den Himmel, Staubfahnen wirbeln auf der Plaza de Espana.

Es ist Gründonnerstag. Und das bedeutet in Arcos de la Frontera – wie überall in Andalusien – den Höhepunkt der Semana Santa, der Karwoche. An allen anderen Tagen beginnen die Prozessionen erst am späten Nachmittag und dehnen sich bis nach Mitternacht.

Doch heute huschen bereits vor Sonnenaufgang die ersten Gestalten um die Kirche San Agustin. In knöchellange, violette Kittel gehüllt, mühen sich je zwölf Männer, die schweren Podeste aus der Kirche zu tragen. Auf den reichverzierten, blumen- und kerzengeschmückten Untersätzen stellen fast lebensgroße, realistisch geschnitzte Figuren die Pasos, die Szenen des Kreuzwegs, dar.

Das Schlußbild gehört der Gottesmutter. Mit kindlich-mädchenhaftem Gesicht, gehüllt in einen weiten, lichten Mantel, überstrahlt sie die vorhergehenden düsteren Szenen als Künderin der kommenden Auferstehung.

Niemand weiß so recht, wie und wann die täglichen Prozessionen während der Semana Santa entstanden sind. Die meisten Plastiken stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die älteste Christus-Darstellung von Arcos, das „Vera Cruz“, entstand bereits 1545. Damals saßen die Mauren noch in Granada.