Zu den westlichen Sanktionen gegen Moskau

Die Amerikaner fanden Helmut Schmidt wieder einmal wenig liebenswürdig: „Wenn wir den Sowjets Erdgas abkaufen, dann kriegen die das Geld, um Euer Getreide zu bezahlen.“ Das hieß ziemlich barsch: Ihr Amerikaner macht Geschäfte mit den Sowjets, wir Deutschen aber sollen sie boykottieren.

Nur: Die Gleichung stimmt nicht. Der US-Getreideboykott schadet der Sowjetunion überhaupt nicht; es gibt Getreide genug in der Welt. Umgekehrt: Die Weigerung, die Pipeline zu bauen und sowjetisches Gas abzunehmen, das ist schon eine Waffe gegen die Sowjetunion; denn sie will Milliarden daran im Westen verdienen.

In seinem letzten Amtsjahr wurde Präsident Carter aggressiv – er spürte (zu spät) die konservative Reaktion auf Amerikas Hilflosigkeit unter seiner Regierung. So sah er sowjetische Truppen in Kuba; entdeckte ein großes „Fenster der Verwundbarkeit“ gegenüber der Sowjetunion; plante neue Rüstungen, fast so stark und teuer, wie Reagan sie jetzt will. Und er begann den Getreideboykott. Reagan hielt den immer für Unsinn; nach seiner Wahl machte er dem Boykott kurz ein Ende.

Für das am 1. Oktober 1981 begonnene Jahr dürfen die Sowjets also in den Vereinigten Staaten 7,5 Millionen Tonnen Mais und 5,9 Millionen Tonnen Weizen kaufen. Die Preise sind geheim; es dürften (ohne Seetransport) für den Mais 125 Dollar pro Tonne, für den Weizen 145 Dollar gewesen sein. Knapp zwei Milliarden Dollar für die Kassen der amerikanischen Farmer und für die US-Devisenbilanz; dazu eine halbe Milliarde Dollar für den Seetransport.

Außerdem mußten die Sowjets sich aber vor allem in Argentinien eindecken. Da kaufen sie teurer. Womit zahlen sie? Die Sowjets haben Vorräte an Gold, Platin, Diamanten, Öl. Einigermaßen übersehen lassen sich die Goldverkäufe. Die Sowjets haben verkauft:

Jahr to Preis pro Unze insgesamt