Seit einiger Zeit liegen die Aktien der exportorientierten deutschen Maschinenbauunternehmen unter Druck. Zunächst überrascht das. Denn gerade sie galten bisher als Nutznießer der gegenüber dem Dollar kräftig abgewerteten Mark. In der Tat konnten die Maschinen- und Anlagenbauer die fehlenden Inlandsaufträge weitgehend durch Exportaufträge ersetzen.

In den Börsensälen erinnert man nun daran, daß ein wesentlicher Teil dieser Auslandsaufträge aus den ölförderländern stammt und diese wegen des weltweit rückläufigen Ölverbrauchs knapper bei Kasse zu werden beginnen. Der zeitweilige Importstopp Nigerias ist ein Warnsignal. Der Irak, Libyen und Algerien befinden sich ebenfalls bereits in Finanzierungsschwierigkeiten. Wenn deshalb bei den deutschen Maschinenbauaktien, aber auch bei Daimler und Mercedes Kursgewinne sichergestellt werden, ist das verständlich.

Neue Favoriten bieten sich an. Sie sind in dem Kreis jener Gesellschaften zu suchen, die Nutznießer der im Gange befindlichen Zinssenkung sind. Das trifft in erster Linie für die Banken zu, deren Ertragslage sich in den ersten Monaten dieses Jahres weiter gefestigt hat. Die leichte Anhebung der Dividende der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank sowie die Ankündigung der Commerzbank, nach Möglichkeit für 1982 wieder eine Dividende zahlen zu wollen (um danach eine Kapitalerhöhung vornehmen zu können), zeigen an, daß die meisten Kreditinstitute ihre Ertragstalsohle verlassen haben dürften.

Mehr in den Vordergrund rücken dürften demnächst auch Aktien, bei denen hohe Renditen erzielbar sind. Wenn die Prognosen namhafter Bankiers in Erfüllung gehen sollten und der langfristige Kapitalmarktzins am Jahresende bei 8,50 Prozent zu liegen kommt, eröffnen sich für einige dieser Papiere interessante Perspektiven.

Das trifft zum Beispiel für die Werte der Großchemie zu, auf die für 1981 wohl einheitlich sieben Mark Bardividende gezahlt werden. Dazu kommt dann noch ein Körperschaftsteuerguthaben von 3,94 Mark. Bezogen auf die gegenwärtigen Kurse würde sich die Ausschüttungsrendite bei der BASF auf 7,7 Prozent stellen, bei Bayer und Hoechst auf 8,3 Prozent. Aus heutiger Sicht sind die für 1981 zu zahlenden sieben Mark in bar auch für 1982 kaum in Gefahr. Geht deshalb im kommenden Jahr die Zinssenkung weiter – wofür aus gegenwärtiger Sicht einiges spricht –, müßten die Kurse der Großchemie allein schon aus Renditegründen steigen.

Offen bleibt in diesem Zusammenhang allerdings die Frage, ob das Zinsziel zum 31. Dezember 1982 von 8,5 Prozent nicht zu kühn gesteckt, worden ist. Schließlich zeigt der steigende Dollar-Kurs, daß die Bundesbank im Augenblick an die Grenze ihrer Zinssenkungsmöglichkeiten gestoßen ist. Solange jedoch die Inflationsrate in der Bundesrepublik rückläufig bleibt, kann sie dies gelassen hinnehmen. K.W.