Von Klaus-Peter Schnitt

Noch am 17. März verbreitete Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Jacques Delors demonstrative Zuversicht: „Alle objektiven Elemente der Wirtschaft sind zufriedenstellend.“ Die Ministerworte waren dringend nötig. Denn der Franc hatte gerade mit Mühe eine heftige Abwertungsspekulation überstanden, und die linke Regierung stand nach verlorenen Wahlen in den Departements ebenfalls angeschlagen da.

Schon eine Woche später halfen allerdings die guten Worte allein nicht mehr: Da der Franc schon wieder unter scharfem Beschuß stand, mußte der Minister die Notbremse ziehen. Zum dritten Mal nach dem Machtwechsel im Mai 1981 wurden die Devisenkontrollen verschärft. Davon sind vor allem Exporteure und Unternehmen betroffen, die im Ausland investieren wollen. Auch der Kauf einer Zweitwohnung außerhalb der Landesgrenzen muß ab sofort von der Banque de France genehmigt werden.

Das Ziel ist klar: Die Währungshüter an der Seine wollen den legalen Abfluß von Devisen erschweren und ihren Zufluß beschleunigen. Der illegalen Seite der Spekulation hat Paris ohnehin bereits den Krieg erklärt. Um Kofferträger und Geldschmuggler jeglicher Art ist es zwar in den letzten Wochen wieder ruhiger geworden, doch die Zollfahndung sitzt ihnen nach wie vor im Nacken. Der Einsatz lohnt; Schätzungen über die Höhe französischer Guthaben in der Schweiz sprechen immerhin von 400 bis 600 Milliarden Francs.

Doch die Attacken der letzten beiden Wochen gegen den Franc haben andere Gründe. Dahinter stand vor allem das latente Mißtrauen ausländischer Anleger gegen die französische Wirtschaftspolitik. Auch wenn Wirtschaftsminister Delors erklärt, die Entwicklung der Franc-Kurse hindere ihn nicht am Schlafen – die Lage ist nicht gerade rosig, ob man sie nun vom In- oder Ausland betrachtet.

Symptomatisch ist eine Zahl aus der Handelsbilanz: 1981 betrug das Defizit der Franzosen im Warenaustausch mit der Bundesrepublik 22,6 Milliarden Francs, mehr als je zuvor. Noch 1979 war diese Lücke nur halb so groß, und schon damals galt sie als äußerst bedenklich.

Besonders aufschlußreich ist der hauptsächliche Grund für diesen Einbruch. Was in der Statistik als „Sonderentwicklung in der Automobilindustrie“ ausgewiesen wird, ist nichts anderes als das untrügliche Zeichen für schwindende Wettbewerbsfähigkeit. In Zahlen ausgedrückt: Die deutschen Autobauer konnten ihre Exporte nach Frankreich um 30,9 Prozent steigern, während die französische Konkurrenz nur einen mageren Zuwachs von 3,6 Prozent beim Geschäft mit deutschen Kunden schaffte.