Erfolgsmeldungen sind selten geworden. Die deutsche Wirtschaft, die nach dem Kriege fast ein Vierteljahrhundert lang mit immer neuen Rekorden aufwarten konnte, macht heute überwiegend mit Hiobsbotschaften von sich reden: Entlassungen, sinkende Realeinkommen, höhere Steuern und Abgaben. Zwar erzielt die deutsche Exportwirtschaft wieder kräftige Überschüsse, und die Defizite in der Leistungsbilanz sind deutlich zurückgegangen – aber das mindert die Sorgen des einzelnen Arbeitnehmers kaum.

Doch auch für ihn gibt es jetzt einen greifbaren Erfolg: Zum drittenmal nacheinander ist die Preissteigerungsrate zurückgegangen. Mit knapp über fünf Prozent melden die Statistischen Ämter die niedrigste Inflationsrate seit Ende 1980. Geht dies so weiter, so könnten die Arbeitnehmer in diesem Jahr mit einer verhältnismäßig geringfügigen Einbuße bei ihrem realen Einkommen davonkommen.

Den Fortschritt im Kampf gegen die – immer noch viel zu hohe – Inflation werden die Wirtschaftspolitiker natürlich für sich reklamieren. Doch da schmücken sie sich mit fremden Federn. Billiger geworden sind vor allem Heizöl und Benzin. Und das hat nichts mit der Stärke der deutschen Stabilitätspolitik, sondern eher etwas mit der Schwäche der Opec zu tun. mj