• Herr Gallus, Bauernpräsident Constantin Freiherr Heereman hat vergangene Woche von einer „miserablen Lage der Bauern“ gesprochen und Kampfmaßnahmen angedroht, wenn nicht mindestens zehnprozentige Preiserhöhungen beschlossen werden, Wie schlecht geht es den deutschen Landwirten wirklich

Gallus: In der Tat waren die Einkommen für die deutschen Landwirte in den letzten Jahren stark rückläufig. Daran gibt es überhaupt keinen Zweifel. Im letzten Wirtschaftsjahr 1980/81 sank der Gewinn je Familienarbeitskraft in den landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieben um 12,6 Prozent auf 21 245 Mark ab. Das ist weniger als der Durchschnitt von 1976/77. Allerdings gibt es im laufenden Wirtschaftsjahr handfeste Anzeichen dafür, daß es mit den landwirtschaftlichen Einkommen wieder aufwärts geht.

  • Während in der Wirtschaft die Unternehmen zu Tausenden pleite machen, gab es in der deutschen Landwirtschaft vergangenes Jahr nur ganze elf Konkurse. Wo ist die Krise, von der die Landwirte reden?

Gallus: Selbst wenn man den Begriff „Krise“ nicht verwenden will, muß man klar feststellen, daß die ungünstige Einkommensentwicklung der letzten Jahre bei vielen Betrieben dazu geführt hat, daß es wirklich an die Substanz geht,

Die Konkursstatistik ist kein geeignetes Wirtschaftbarometer, In der Landwirtschaft sind Konkurse nach wie vor relativ seiten, da hier der Fremdkapitalanteil vergleichsweise niedrig ist, Konsum- und Investitionseinschränkungen zur Erhaltung der Liquidität in ungünstigen Jahren durchaus nicht außergewöhnlich sind und in extremen Notfällen nicht der ganze Hof, sondern nur Teilflächen veräußert werden.

  • Die Landwirte beklagen seit zwei Jahren sinkende Durchschnittsgewinne, obwohl die Politiker für die wichtigsten Produkte wie Milch, Butter und Fleisch regelmäßig Preiserhöhungen beschlossen. Haben die Bauern schlecht gewirtschaftet, oder sind gestiegene Kosten und Zinsen schuld?

Gallus: Die Bauern haben nicht schlechter gewirtschaftet, im Gegenteil. Trotz gewisser, für die Bundesrepublik vergleichsweise geringer Anhebungen der EG-Marktordnungspreise haben sich am Markt tatsächlich kaum noch Erzeugerpreisverbesserungen durchsetzen lassen. Im Wirtschaftsjahr 1980/81 stieg der Erzeugerpreisindex nur um 0,9 Prozent an, die Betriebsmittel einschließlich Kosten für Energie und Fremdkapital erhöhten sich dagegen um 6,4 Prozent.