Beachtlich

„Der zweite Mann“ von Charles Jarrott. Eine private Geschichte zwischen Politik, Ideologie und Moral. Die Frage ist: was einer (John Savage) in der Welt darf, gegen die Welt, wenn man ihm die Frau weggeschossen hat – aus polit-taktischen Gründen, wie sich später herausstellt. Die Fronten: linke Terroristen gegen die USA, aber auch gegen eine einzelne Frau, die während der Besetzung eines USamerikanischen Konsulats als Geisel genommen und dann demonstrativ erschossen wird. Der Freund der Frau, ein CIA-Computerspezialist, gegen diese Terroristen, später dann, als er bemerkt, daß seine eigenen Leute nichts unternehmen: auch gegen die eigene Behörde. Erzählt wird eher schnörkellos. Die Einstellungen sind kurz, die Parallelmontagen betonen die Gleichzeitigkeit, die Bilder sind flach: sie bieten kaum Handlungsräume für die Figuren. Und doch sind es die kleinen Details, die die entscheidenden Unterschiede formulieren. So sind plötzlich sogar die westlichen Guten böse. Während die östlichen Bösen gerade überlegen, ob sich hinter Shakespeare nicht doch Francis Bacon verberge.

Norbert Grob

Laut

„Roar – Gebrüll“ von Noel Marshall. Daß Löwen und Tiger, Geparden und Pumas zu schmusigen Hauskatzen werden können, wenn man ihnen nur genug Liebe schenkt, führt dieses Film-Spektakel vor, für das mit viel Gebrüll geworben wird: „Jeder Drehtag ein Spiel mit dem Tod“ – „Ein Film, wie er nicht wieder gedreht werden kann“. Aber was im zoologischen Einzelfall funktionieren mag, und was im Einzelbild niedlich aussieht (eine frischgeborene Wildkatze), macht noch keinen Kinofilm aus. Und auch, daß es unter den Löwen einen Raufbold gibt, der sich rehabilitiert nur dadurch, daß er einen bösen Großwildjäger erlegt, garantiert noch keine neunzig Minuten Spannung. Einzig Tippi Hedrens Angst erinnert manchmal an einen richtigen Film, da kamen auch Tiere vor: Vögel.

Manuela Reichart

Empfehlenswerte Filme

„Das letzte Loch“ von Herbert Achternbusch. „Berliner Stadtbahnbilder“ von Alfred Behrens. „Schnee“ von Juliet Berto und Jean-Henri Roger. „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ von Rainer Werner Fassbinder. „Ganz normal verrückt“ von Marco Ferreri. „Feuer und Schwert“ von Veith von Fürstenberg. „Rette sich wer kann (das Leben)“ von Jean-Luc Godard. „Der Profi“ von Georges Lautner. „Mein Essen mit André“ von Louis Malle. „The Bronx“ von Daniel Petrie. „Der Mann aus Eisen“ von Andrzej Wajda.