Und sei es auch nur zu Protokoll des Deutschen Bundestags: so hat sich der freidemokratische Abgeordnete Hans Gattermann am vergangenen Freitag eingelassen, und zwar zur Liberalisierung des Mietrechts und zur Verbesserung der Steuerstruktur. Er tat das in einem Augenblick, in dem der amtierende Sitzungspräsident Georg Leber feststellen mußte, der Geräuschpegel nehme langsam solche Ausmaße an, „daß ich Sie bitten möchte, entweder die Unterhaltungen einzustellen oder zumindest Platz zu nehmen und etwas leiser miteinander zu sprechen“.

Das war die Schlußphase jener zweiten und dritten Lesung des Beschäftigungsprogramms, das über die Bühne zu bringen die Regierungskoalition sich eisern entschlossen hatte: sowohl vor der parlamentarischen Osterpause als auch vor dem sozialdemokratischen Bundesparteitag in München zur Mitte dieses Monats.

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An sich hatte der Bundestag die Bande frommer Scheu bewahren, das heißt die Stellungnahme des Bundesrates zum Beschäftigungsprogramm wenigstens mit einigen Tagen Abstand einhalten wollen. Der Dienstag dieser Woche war deshalb, zumindest vor den Koalitionsfraktionen, in Aussicht genommen, mit einer Sondersitzung, um die demokratische Kleiderordnung zu beachten. Für das Votum des Bundesrates sollte genügend Zeit bleiben. Freilich, eine solche Sondersitzung hätte es in sich gehabt, wegen der vielen privaten Termine, die von den Abgeordneten für die Osterferien eingegangen worden waren,

Was Wunder also, wenn sich die Hinterbänkler der Union mit jenen der Sozialdemokraten und der FDP zum Zwecke einer Sitzung vor der Osterpause verbündeten, Folgt man dem Zeugnis des sozialdemokratischen Fraktionsgeschäfts, führers Jürgen Linde, dann ist der Freitagstermin sogar auf offener Straße zustande gekommen – Jürgen Linde im Bundestag zu Helmut Linde „Wir haben uns auf der Straße getroffen; bei mir war es noch vor dem Frühstück.“

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Was auf so nüchterne Weise zuwege ging, hatte freilich seine Macken. Mußte Helmut Kohl befürchten, daß bei einer Sondersitzung zu Anfang dieser Woche seine Abgeordneten nicht vollzählig zur Stelle sein würden, so hatte der Bundesrat am vergangenen Freitag seinen eigenen Stolz. Bernhard Vogel und Ernst Albrecht, beide CDU, waren nicht bereit, das „Nein“ der Ländervertretung zum Beschäftigungsprogramm justament in dem Augenblick zu notifizieren, in dem es beschlossen wurde. Statt dessen hielten sie sich, durchaus im Streit mit anderen Geschäftsordnungsexperten, an jenen Paragraphen, der da sagt, daß Beschlüsse des Bundesrates erst am Ende seiner gesamten Sitzung wirksam werden. Die Länderkammer ließ den Bundestag nachsitzen, zwei volle Stunden.