Präsidenten-Berater Laffer klagt über Verstöße gegen sein Konzept

Von Peter Christ

Er ist beim Präsidenten, Krisensitzung“, sagt einer der zahlreichen Besucher und nippt mit gewichtiger Miene am Kaffee. Achthundert Bankiers, Manager, Wissenschaftler und Politiker warten auf Arthur B. Laffer und hören in der Wiener Hofburg Vorträge zum unerschöpflichen Thema „Probleme der achtziger Jahre“. Für die wirtschaftlichen Sorgen dieser Dekade erwarten sie die Lösung eben von jenem verspäteten Laffer, dem populärsten Protagonisten der Angebots-Ökonomie, der zugleich wirtschaftspolitischer Berater des amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan ist.

Laffer, heißt es am Nachmittag, kommt erst morgen, direkt aus Washington. Inzwischen hat längst Lester C. Thurow, Ökonom von Rang, Professor am Massachusetts Institute of Technology und Bestseller-Autor, nach einem brillanten Vortrag das Rednerpult geräumt. Höflichen Beifall hat er geerntet für seine These, daß nur eine anpassungsfähige Wirtschaft mit flexiblen Löhnen und Preisen zum unerläßlichen Wachstum zurückfinden werde. Patentrezepte bot er nicht. Das Auditorium wartet auf Laffer.

Und der kommt tatsächlich, mit einem Tag Verspätung. Um zwölf Uhr steht er auf dem Podium, schüttelt Hände, begrüßt Vorredner, die er von anderen Veranstaltungen des Vortrags-Zirkus kennt, und zeigt keine Spur von Müdigkeit. In Washington war er gestern tatsächlich, eine Sitzung hat es gegeben, aber nur Routine, keine Krise, ein ganz normales Treffen ökonomischer Eggheads, die den Präsidenten beraten.

Die Zuhörer grüßt er in kalifornisch gefärbtem Deutsch. Laffer erinnert lächelnd an seinen Sprachlehrer in München, der ihm dringend geraten habe, besser beim Amerikanischen zu bleiben. Für den Rest der Rede hält er sich daran.

Dem durchweg sachkundigen Publikum kann so neu nicht sein, was der kleine, mollige Mann pointen- und gestenreich von sich gibt. Ohne jede professorale Beiehrsamkeit, eher mit dem Eifer eines Wanderpredigers, verkündet Laffer seine Botschaft.