Wer wenig Geld, dafür aber ein bißchen Zeit hat, wer Raucher mag und den Kontakt zu seinen Mitreisenden, der kann mit dem „Grey Rabbit Bus“ günstig durch Amerika fahren.

Der legendäre Greyhound-Bus Amerikas ist inzwischen relativ teuer geworden; er hält stündlich (auch nachts) in grauen Busbahnhöfen, in denen man lauen Kaffee schlürfen oder in Minifernseher starren kann, und die oft angepriesenen Kontakte ergeben sich höchstens mit dem Sitznachbarn, dessen Füße einem immer im Weg sind.

Erst am Ende meiner viermonatigen Reise durch die USA stieß ich auf eine interessante, billigere und sehr amüsante Busalternative, den „Grey Rabbit Bus“.

Vor elf Jahren begann Lester Rall die Freaks, die im Zuge der Gegenkultur zum Verheißungsort San Franzisko drängten, mit einem Bus zwischen New York und der Westküste hin- und herzutransportieren. Aus der Mitfahrmöglichkeit wurde inzwischen ein kleines Unternehmen mit zehn Bussen, die auf unterschiedlichen Routen verkehren, und mit einem veränderten, gemischten Publikum.

In einem Laden mit T-Shirts und Platten in Berkeley, dem Studentenstadtteil San Franziskos, hatte ich zehn Dollar angezahlt und wartete dann zwischen Rucksäcken, Gitarren, Engländern, Deutschen, Franzosen und vielen Amerikanern jeder Altersgruppe auf den wöchentlichen New-York-Bus. Als er vorrollte, wurde das meiste Gepäck im Laderaum verstaut; nur mit dem Nötigsten begab man sich für vier Tage in den Bus. In diesem befinden sich lediglich zwei Längsbänke mit Matrazen und ein Bett für den jeweils schlafenden Ersatzfahrer.

Wir Mitfahrer schoben nachts Bretter zwischen die Bänke, so daß eine einzige große Liegefläche entstand, auf der jeder Decken und Schlafsäcke entrollte. Schon durch dieses Sitzen und die ständig geforderte Zusammenarbeit lernte man sich schnell kennen und machte es sich gemütlich bei Musik und vielen Gesprächen; im hintersten Winkel des Busses entstand ein regelrechter Schachklub. Erstaunlich war die allgemeine Rücksichtnahme etwa gegenüber der Mutter mit ihrem acht Monate alten Baby.

Gehalten wurde nicht routinemäßig, sondern an besonders schönen Stellen, bei billigen Restaurants und Geschäften mit breitem Angebot, in denen wir uns mit Obst und Avocados eindeckten. In Colorado saßen wir mitten in der Nacht in einer heißen Quelle, in Iowa überredeten wir die Busfahrer zu einem langen Halt an einem einsamen See, und immer wieder, wenn das Sitzen zu qualvoll wurde, lief man mal eine Weile draußen herum, machte Gymnastik und spielte Frisbee.