Alles ist verloren. Die Luft ist trüb, das Wasser dreckig, das Land betoniert. Gift lauert in der Nahrung wie in Mutterbrüsten. Arten sterben aus, Wälder verschwinden. Apocalypse now. No Future.

Wirklich? Sind wir Menschen das Krebsgeschwür dieses Planeten, aktive Zerstörer einer wehr- und hirnlosen Natur? Oder durchleben wir vielleicht nur eine „vorübergehende Phase bis zur Wiedergeburt einer Periode neuer, wunderbar harmonischer Beziehungen zwischen dem Menschen und seiner Umwelt“?

Der Mann, der sich den Untergangspropheten mit blumigen Worten entgegenstellt, ist weder bodenloser Optimist noch spinniger Sektierer. Er betreibt auch nicht das opportunistische Geschäft mit den kräftigen Kontrapunkten zu müdegerittenen Modeerscheinungen, obwohl der Titel seines Buches

Jim E. Lovelock: „Unsere Erde wird überleben. GAIA – Eine optimistische Ökologie.“ Piper Verlag, München, 1981, 223 Seiten, 28,– DM,

den Verdacht nahelegen könnte. Doch Lovelock, ein unabhängiger englischer Naturwissenschaftler, ist da aus dem Schneider: Den unsauberen, in der Sache nicht ganz zutreffenden Titel hat ihm sein deutscher Verlag eingebrockt.

Lovelocks Original erschien 1979 in England unter dem Titel GAIA. A new look at life on Earth. Und neu ist in der Tat Lovelocks Blick auf das Leben dieses Planeten. Gaia, der Name der griechischen Erdgöttin, steht „als Kürzel für die Hypothese, wonach die Biosphäre eine sich selbst regulierende Einheit mit der Fähigkeit ist, durch die Kontrolle der chemischen und physikalischen Umwelt unseren Planeten gesund zu erhalten“ (eigene Übersetzung; die mitunter zu sklavische Übertragung aus dem Englischen lieferte im Buch einen zu umständlichen Satz). „Gelegentlich“, bekennt Lovelock, „war es schwierig, ohne ausgiebige Umschreibungen nicht so von Gaia zu sprechen, als sei sie bekanntermaßen ein fühlendes Wesen.“

Lovelock entwirft ein faszinierendes Bild der Biosphäre: Das Leben selbst, so legen seine Argumente und Fakten nahe, gestaltete sich diesen Planeten zu der wohnlichen Heimat im All um. Und wir sind Erben und Teilhaber an diesem großartigen System der Umweltkontrolle, das über eine Fülle zumeist nur andeutungsweise verstandener Rückkopplungsprozesse seit Jahrmilliarden erfolgreich verhindert, daß die Erde eine heiße Hölle wie die Venus oder ein gefrorener Planet wie der Mars wird.