DIE ZEIT

Krieg dem Frieden

Wer wollte leugnen, wäre er nicht böswillig, daß Menachem Begin Frieden will? Nur: Keiner kann bestreiten, daß er Frieden ausschließlich zu seinen Bedingungen will.

Hält die Koalition oder fällt sie?

Grimmige Resignation – so läßt sich der Zustand der sozial-liberalen Koalition am ehesten beschreiben. Kein Wunder bei der Endzeitstimmung, die Monat um Monat andauert, ohne daß etwas Entscheidendes geschieht.

Lehre aus Utah

Fenster der Verwundbarkeit – die Metapher stammt aus Ronald Reagans Wahlkampfkiste. Es bezeichnete jenes Jahrfünft in den Achtzigern, in dem die Sowjets angeblich in der Lage sein sollten, Amerikas Interkontinentalraketen mit einem Schlage auszuschalten und die westliche Supermacht so auf die Knie zu zwingen.

Erster Erfolg

Erfolgsmeldungen sind selten geworden. Die deutsche Wirtschaft, die nach dem Kriege fast ein Vierteljahrhundert lang mit immer neuen Rekorden aufwarten konnte, macht heute überwiegend mit Hiobsbotschaften von sich reden: Entlassungen, sinkende Realeinkommen, höhere Steuern und Abgaben.

Diät für Bildung

Gottlob: Der Bildungsgesamtplan ist gescheitert. Jetzt jammern zwar die Kultusminister, daß sie eine „große Schlacht endgültig verloren“ hätten, weil die Finanzminister nicht bereit sind, die Bildungsausgaben von Bund und Ländern von gegenwärtig 80 Milliarden Mark bis 1985 auf mindestens 90 Milliarden Mark pro Jahr zu steigern.

Zeitspiegel

Hunderttausende aus der Friedensbewegung, die zu Ostern gegen neue Atomraketen und für ein atomwaffenfreies Europa losmarschieren wollen, wurden von der Bundesregierung schon im voraus in kommunistische Marionetten verwandelt: Die DKP sei „die initiierende, organisierende und steuernde Kraft“ der Ostermärsche ’82.

Krach im Kabinett: Ein Sozialminister ohne Fortune

Mittwochs, wenn sich das Bundeskabinett trifft, ist er immer dabei – doch neuerdings ist er auch immer dran: Keine Tagesordnung ohne Herbert Ehrenberg, den Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung.

Wehrdienst-Gesetz in der DDR: Wo schöne Träume verboten werden

Es war die erste sonnige Frühlingswoche dieses Jahres, als in Dresden die sächsische Evangelische Landessynode tagte, in der Kongreßhalle am Alexanderplatz in Ost-Berlin „Schriftsteller für den Frieden“ zusammentrafen, im „Palast der Republik“ die Volkskammer das neue Wehrdienstgesetz verabschiedete.

Worte der Woche

„Wir haben zur Zeit keine Chance, eine Mehrheit links von der Mitte zu finden.“ Helmut Schmidt

Todesschüsse trotz Gesetz

Mindestens 180 Menschen sind dem Monstrum zum Opfer gefallen, das die DDR einmal einen „antifaschistischen Schutzwall“ genannt hat und das doch ganz so aussieht wie eine Ausgeburt der KZ-Baumeister.

Mit einem zweiten Bericht aus Polen setzt die ZEIT ihre Serie über die sozialistischen Länder fort: Nicht alle sind gegen die neue Ordnung

Auch nach zehn Tagen bleibt für mich der Zweifel: Wird es Frieden geben in Polen, oder wird, wie in einer griechischen Tragödie, jede Seite ihre Rolle bis zum bitteren Ende spielen – das Volk um der Freiheit und nationalen Selbstverwirklichung willen, die Militärs, dem Gesetz der Ordnung verhaftet, um Schlimmeres zu verhüten? Wird also eine langsame, wenn auch traurige, oft verzweiflungsvolle Entwicklung auf einen Kompromiß hin stattfinden, mit zusammengebissenen Zähnen erkämpft und erlitten – oder treibt alles auf eine Explosion zu? Niemand weiß das heute, auch die Akteure nicht.

Wolf gang Ebert: Wisch und weg

Die Bekämpfung der Fremdkörper – im Volksmund auch „Ausländer“ genannt – wird immer mehr zu einem Problem. Das todsichere Entfernungsmittel, das uns von dieser Plage befreit, gibt es noch nicht.

Taschengeld

Die Bundestagsfraktionen von SPD und FDP wollen gleich nach der parlamentarischen Osterpause eine der umstrittensten sozialpolitischen Entscheidungen der Vergangenheit korrigieren: das Taschengeld für Heimbewohner soll auf mindestens 120 Mark monatlich erhöht werden.

Europäer der ersten Stunde

Die Brüsseler Feierstunde zum 25. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge hat Walter Hallstein nicht mehr erleben dürfen.

Hinterbänkler-Bund zur Rettung der Osterpause

Und sei es auch nur zu Protokoll des Deutschen Bundestags: so hat sich der freidemokratische Abgeordnete Hans Gattermann am vergangenen Freitag eingelassen, und zwar zur Liberalisierung des Mietrechts und zur Verbesserung der Steuerstruktur.

„Mit den Grünen zum absoluten CDU-Staat“

Roth: Zunächst einmal muß jeder, der den Sozialdemokraten Stimmen wegnimmt, als Gegner betrachtet werden. Ich betrachte die Grünen aber auch deswegen als einen Gegner, weil sie objektiv bewirken, daß das Reformlager in der Bundesrepublik handlungsunfähig wird mit dem Ergebnis, daß ein absoluter CDU-Staat übrigbleibt.

Moskau spielt die China-Karte

Leonid Breschnjew hat – in einem Moment ernster Spannungen zwischen Peking und Washington – die chinesische Karte ausgespielt.

London: Aufwind durch Roy Jenkins

Der ehemalige Präsident der EG-Kommission, Roy Jenkins, hat am vergangenen Donnerstag in einer Unterhaus-Nachwahl im Wahlkreis Hillhead (Glasgow) einen spektakulären Sieg errungen.

WESTBANK: Auftakt zum Anschluß?

Die Routine-Verlautbarung der sonntäglichen Kabinetts-Runde in Jerusalem brachte diesmal Außergewöhnliches. Anläßlich des internationalen Afghanistan-Tages erklärte sich die israelische Ministerrunde mit dem Volk von Afghanistan solidarisch, das „der sowjetischen Invasion trotzt, der Unterdrückung Widerstand leistet und für seine Freiheit kämpft“.

Der Professor mit der Peitsche

Ein Gelehrter, dazu ausersehen, eine "menschliche" Besatzungspolitik zu praktizieren – ist das der neue Stil israelischer Kolonialherrschaft über die rund 1,3 Millionen Palästinenser in Westjordanien und Gaza? Immerhin hat auch Menachem Milson als Zivilgouverneur in den okkupierten Territorien dafür gesorgt, daß die arabische Bir Zeit-Universität ein weiteres Mal geschlossen, das palästinensische Selbstverwaltungsorgan, das "Nationale Führungs-Komitee" aufgelöst und drei Bürgermeister ihres Postens enthoben wurden.

Die Grünen vor dem Sündenfall

Helgo Bran, 44 Jahre alt, arbeitsloser Biologe und „grüner“ Abgeordneter im Stuttgarter Landtag, zeigte seiner Partei, wie es um die Freiheit eines Volksvertreters bestellt ist: „Ich gehe jetzt“, sagte er vor dem Landesausschuß der baden-württembergischen Grünen am Sonntag in .

Integration Behinderter tut not: Seid aufsässig!

Er sei gekommen, den „italienischen Virus über die Grenze zu tragen“, kündigte der Florentiner Psychologe Ludwig Roser vor den dreihundert nichtbehinderten Kongreßteilnehmern in der Münchner Universität an.

Hamburger Liste gegen Ausländer: Sauber und deutsch

In Hamburg-Wilhelmsburg, einem Arbeiterbezirk mit hohem Ausländeranteil, fand sich eines Morgens ein obskures Flugblatt in den Briefkästen: Mit der Parole „Nun ist’s genug!“ stellte sich eine „Hamburger Liste für Ausländerbegrenzung und Beseitigung von Mißständen“ (HLA) vor.

,,Schickt euer ganzes Geld an Breschnjew“

Als Film-Story wäre es zu klischeehaft, um glaubwürdig zu sein. Der Handlungsort: ein ambitiöser Kleinstaat, regiert von einem Militärdiktator mit buschigen Augenbrauen und dämonischem Blick, der seinen Vorgänger in den Morgenstunden hinrichten ließ.

Vermeidbare Niederlagen

Wir werden schlampig und dilettantisch regiert. Das ist ein harter Vorwurf. Er läßt sich aber belegen. Allein in den letzten Tagen hat die Bundesregierung gleich mehrere Beweise für unüberlegtes und unkoordiniertes Verhalten geliefert.

Europäische Gemeinschaft: Leere Worte zum Wiegenfest

Den zehn Staats- und Regierungschefs aus den Mitgliedsländern der Europäischen Gemeinschaft ist es auf ihrer Brüsseler Gipfelkonferenz nicht gelungen, den Sprengsatz zu entschärfen, der gegenwärtig den Bestand der Gemeinschaft bedroht.

Umweltschutz: Kein Vertrauen

Versucht hat er es immer wieder, doch so richtig gelungen ist es dem freidemokratischen Innenminister Gerhart Rudolf Baum eigentlich nicht, in der wählerwirksamen Rolle des großen Umweltschützers zu überzeugen.

Autopreise: Hinterm Mond

Jetzt sollen sie also wieder teurer werden, die Autos made in Germany. Der Volkswagenkonzern machte in dieser Woche den Anfang mit 3,9 Prozent Preiserhöhung für seine VW-Modelle und 4,3 Prozent für seine Audi-Typen.

Haushalt: Tödlich banal

Das Budget des Bundes für das Jahr 1983 wird nun doch bereits im Juli statt im September vom Bundeskabinett verabschiedet, um dann während der Sommerferien ins Parlament eingebracht zu werden.

Bonner Kulisse

Ministerialrat Josef Berkenheide, Vorsitzender des Personalrates im Bonner Finanzministerium, hatte zu früh gejammert, als er vor drei Jahren bitter beklagte, daß Finanzminister Hans Matthöfer einen erst 36jährigen Ministerialrat zum Ministerialdirigenten befördert hat.

Franc-Abwertung: Die französische Krankheit

Noch am 17. März verbreitete Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Jacques Delors demonstrative Zuversicht: „Alle objektiven Elemente der Wirtschaft sind zufriedenstellend.

Japan: Whisky und Kultur

Japans Industrie, in vielen Verkaufsschlachten erprobt, eröffnet eine neue Front beim Kampf um den Kunden: „Kulturelles“ soll der Apathie der Konsumgesellschaft ein Ende setzen.

Welt-Ölmarkt: Testfall für die Opec

Nigeria ist in der internationalen Ölindustrie zum Reizwort geworden. Denn angeblich planen Saudi-Arabien, Kuwait und möglicherweise noch andere Golfstaaten Strafaktionen gegen jene Ölkonzerne, die ihre Rohölbezüge aus Nigeria kurzen.

Zeitraffer

Die Konjunkturschwalben mehren sich. Neben dem erfreulichen Auslandsgeschäft ist im Inland nun bereits im zweiten Monat der Anstieg der Verbraucherpreise niedriger ausgefallen als vor einem-Jahr.

Manager und Märkte

Genaue Zahlen mag das Verlagshaus Gruner + Jahr in Hamburg schon nicht mehr nennen. Doch an die tausendmal mußten die G + J-Vertriebsleute an sie gerichtete Postkarten weiterleiten, weil diese wohl an sie adressiert, aber keineswegs für sie gedacht waren: Bestellkarten für ein Abonnement der Monatszeitschrift konkret.

Deutscher Export: Vor einem neuen Rekord?

Besser als der Welthandel insgesamt hat im vergangenen Jahr die deutsche Exportindustrie abgeschnitten: Während weltweit der Handel real um ein Prozent gesunken ist, konnten deutsche Exporteure ihr Ergebnis real um 6,5 Prozent steigern.

Es geht an die Substanz

Gallus: In der Tat waren die Einkommen für die deutschen Landwirte in den letzten Jahren stark rückläufig. Daran gibt es überhaupt keinen Zweifel.

Löwenbräu: Das Geschäft mit den Grundstücken

Einst waren sie spinnefeind. Jetzt machen sie zusammen das Geschäft des Jahres: das Münchner Privatbankhaus Merck, Finck & Co und der größte deutsche Assekuranz-Konzern, die Allianz Versicherungs-AG, Sitz ebenfalls München.

„Ich will alle reicher machen“

Er ist beim Präsidenten, Krisensitzung“, sagt einer der zahlreichen Besucher und nippt mit gewichtiger Miene am Kaffee. Achthundert Bankiers, Manager, Wissenschaftler und Politiker warten auf Arthur B.

Belgische Stahlkrise: Langer Marsch durch rote Zahlen

Bilder, wie sie das belgische Fernsehen kürzlich nach dem Protestmarsch von mehr als 10 000 wallonischen Stahlarbeitern durch Brüssel ausstrahlte, kannten die Zuschauer zwischen Ardennen und Nordsee bislang vor allem aus Berichten über Nordirland, Beirut oder die Startbahn West in Frankfurt.

Österreich: Sanierung auf Wiener Art

Schwere Zeiten hat die Länderbank, Österreichs zweitgrößte Bank, hinter sich. Das Bankhaus, zu sechzig Prozent im Eigentum des Staates, mußte sich von seinem Hauptaktionär, der Republik Österreich, retten lassen.

Bergbau: Dem Kumpel „auf den Knochen“ liegen

Ruhrkohle-Chef Karlheinz Bund ist ein umtriebiger Mann. Er ist für sein Unternehmen viel „auf Achse“ – man trifft ihn in Sydney und Johannesburg, in New York und im Kanadischen Calgary.

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