Vor allem die Zeitungen sind voller Fremdwörter. Die Schreiber mögen sich dabei großartig vorkommen. Sie aalen sich in ihrer Halbbildung (was die unfreundlicher gesehene Seite der Allgemeinbildung ist) auf Kosten ihrer Leser, die da nicht mehr folgen können oder nicht mehr folgen wollen.

Solche Klagen sind 350 Jahre alt. Der Tübinger Germanist Erich Straßner weist sie schon im Jahre 1643 nach. Das klang damals so: „Nun kommen wir auch auff die letzte ... als da seyn die Zeitungsschreiber: Hier höret einer wunder über wunder, wie die Zeitungen mit allerhand frembden Wörtern angefüllet werden. Wie mancher einfältiger teutscher Mann, der etwa die Zeitungen... liset, verstehet kaum das halbe Theil.“

Wenn das so war, dann ist es heute nicht besser, freilich auch nicht schlechter als vor 350 Jahren. Wer vom Neuesten in aller Welt zu berichten hat, findet sich oft gedrängt, die neuen frembden Sachen mit neuen frembden Wörtern zu bezeichnen. Er hat keine anderen.

Es gibt so vieles, was für, und so vieles, was gegen Fremdwörter spricht. Hier soll zunächst nur von einer Schwäche manchen fremden Wortes die Rede sein: von der Ungenauigkeit, die dadurch entsteht, daß falsche Gedankenverbindungen von der ursprünglichen Bedeutung eines Fremdwortes ablenken. Die fünf besten Beispiele, die ich dafür kenne (unsere Leser kennen sicher noch bessere), sind „prägnant“, „rasant“, „Trauma“, „Kontrahent“ und „irritieren“.

„Prägnant“, englisch „pregnant“, bedeutet so viel wie inhaltsschwer, schwanger. Aber in die „prägnante Formulierung“, wie manche sie gern gebrauchen, klingt viel Konturscharfes, Prägendes mit hinein, obwohl „prägnant“ mit „prägen“ nichts zu tun hat.

„Rasant“ wird beinahe selbstverständlich mit rasender Geschwindigkeit in Verbindung gebracht und nicht mit „Rasieren“. Aber vom Geschoß her, dessen flache Flugbahn die Erdoberfläche geradezu rasiert, kommt es – ein ebenso beliebtes wie überflüssiges Fremdwort.

Das „Trauma“ bringen alle, die Freud kennen und Griechisch nicht können, mit dem Traum in Verbindung, der ja in der Tat für Freud anzeigte, woher ein Trauma kommt. Daß „Trauma“ nichts anderes als (griechisch) „Wunde“ bedeutet, gerät darüber in Vergessenheit.