„Max und Helen“, von Simon Wiesenthal. Eigentlich ist „Max und Helen“ die Geschichte einer leidenschaftlichen Liebe. Aber da beide junge polnische Juden sind, die während der Schreckensherrschaft Hitlers zusammenleben wollen, ist es vor allem ein authentischer Bericht über das Schicksal zweier Menschen, deren Leben auf grauenvolle Weise und doch anders als das der meisten Juden zerstört wird. Simon Wiesenthal, dessen Berufung es ist, Judenverfolger aus der Nazizeit aufzuspüren, hat die Geschehnisse nacherzählt, nicht erfunden: Max, der seit seiner Schulzeit Helen liebt, darf sein Studium nicht weiterführen; Helens Eltern kommen im Konzentrationslager um. Um nicht getrennt zu werden, melden sich beide aus dem Ghetto freiwillig in ein Straßenbau-Arbeitslager der Deutschen. Zu spät begreifen sie, daß der Lagerleiter Schulze foltern und ermorden läßt. Nur ein einziges Mal gelingt ein Fluchtversuch: Max kann sich zu den Widerstandskämpfern retten, Helen bleibt zurück. Das Ende erlebt Max in der Sowjetunion, später sperrt man ihn dort zehn Jahre ein. Die Jahre danach verbringt er mit der Suche nach Helen. Als er erfährt, daß sie als einzige die Lagerzeit überlebt hat, und als er endlich, in der Bundesrepublik, vor ihrer Haustür steht, öffnet ihm ein Mann mit Schutzes Gesicht: Helens Sohn. Max kann Helen nach diesem Treffen nie mehr wiedersehen. Schulze war nach dem Krieg im Direktorium einer Fabrik in Süddeutschland. Seine Spur wollte Wiesenthal verfolgen, doch Max bat ihn, Rücksicht auf Helen und ihren Sohn zu nehmen. Vielleicht ist ein solcher Bericht dazu angetan, mehr als nur ohnmächtige Wut zu provozieren, gerade weil er mehr als Zahlen und Fakten wiedergibt, nämlich die Zerstörung zweier Menschen schildert, die bis heute andauert. (Ullstein Verlag, Berlin, 1981; 158 S., 26,– DM.) Armgard Seegers