Fenster der Verwundbarkeit – die Metapher stammt aus Ronald Reagans Wahlkampfkiste. Es bezeichnete jenes Jahrfünft in den Achtzigern, in dem die Sowjets angeblich in der Lage sein sollten, Amerikas Interkontinentalraketen mit einem Schlage auszuschalten und die westliche Supermacht so auf die Knie zu zwingen. Neue, unverwundbare US-Raketen sollten dieser Gefahr vorbeugen.

Eine Weile lang schien das vielzitierte Fenster in den Scharnieren wild hin und her zu schlagen; bald wurde es in der ersten Hälfte der achtzige Jahre ausgemacht, bald erst Ende des Jahrzehnts. Carter wollte 200 Gegenraketen vom Typ MX mit je zehn Sprengköpfen zwischen 4600 Abschußsilos hin und her transportieren. Reagan kapitulierte vor dem Widerstand der Menschen in Nevada und Utah, wo die neuen Waffen aufgestellt werden sollten. Er strich das Programm auf 100 MX zusammen und wollte sich zunächst einmal damit begnügen, vierzig davon in alte Minuteman-Silos zu stecken. Jetzt aber klemmt das Fenster: Letzte Woche hat der zuständige Senats-Unterausschuß die Mittel gestrichen. Auch dabei hat der Widerstand der Bevölkerung eine Rolle gespielt.

Wenn freilich der Unmut der Leute in den dünn besiedelten Staaten des amerikanischen Westens die Landstationierung der neuen Raketen verhindern kann, so wird dies zwangsläufig den Nachrüstungsgegnern im viel dichter besiedelten Europa Auftrieb geben. Was den Mormonen Utahs recht ist, muß den Protestanten Nordwesteuropas billig sein. Hat das Pentagon diese Pointe bedacht? Th.S.