Einst waren sie spinnefeind. Jetzt machen sie zusammen das Geschäft des Jahres: das Münchner Privatbankhaus Merck, Finck & Co und der größte deutsche Assekuranz-Konzern, die Allianz Versicherungs-AG, Sitz ebenfalls München. Objekt des Handels sind die Grundstücke von Bayerns renommiertester Brauerei, der Löwenbräu AG, bisher nach der Landeshauptstadt selbst der größte Immobilienbesitzer in der weiß-blauen Metropole.

Vor über neunzig Jahren hatte Wilhelm von Finck, der Chef des damals gerade zwanzig Jahre alten Bankhauses, die Allianz mitgegründet. Die freundschaftlichen Beziehungen währten viele Jahrzehnte. Erst nach dem zweiten Weltkrieg breitete sich Zwist aus. Die Allianz und ihre Schwesterfirma, die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, wollten Wilhelm von Fincks Sohn August, der 1924 die Nachfolge seines Vaters angetreten hatte, nicht mehr als Aufsichtsratsvorsitzenden haben. August von Finck verkaufte schließlich bis auf kleinere Pakete seine Allianz- und Münchner-Rück-Aktien.

Zwei Jahre nach dem Tod des alten Finck ist nun sein Sohn August der jüngere dabei, endgültig den Schlußstrich unter die Affäre von einst zu ziehen und eine neue Phase der Freundschaft einzuleiten. Die Allianz mit ihrem Finanzchef Markus Bierich (früher Mannesmann) hilft dem 52jährigen „Gustl“ Finck bei einer spektakulären Transaktion: Im November vergangenen Jahres hatte der zum neuen „Senior“ avancierte jüngere Finck von der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank über 50 Prozent und von der Bayerischen Vereinsbank weitere gut zwölf Prozent der Aktien der Löwenbräu AG zum stolzen Preis von mehr als 300 Millionen Mark übernommen. Finck spekulierte vor allem auf die Grundstücke der „Bierburg“ – auf die beträchtlichen stillen Reserven in ihnen. Aber wie diese zu Geld machen?

Die Allianz erwies sich als idealer Partner. Konzernstrategen und Juristen arbeiteten in kurzer Zeit ein Konzept aus. Die Löwenbräu AG wird zunächst in zwei rechtlich selbständige Firmen zerlegt. Eine Immobiliengesellschaft wird ausgegliedert, voraussichtlich Unter dem Namen der bisherigen Löwenbräu-Tochter Monachia. Ihr wird ein erheblicher Teil des nicht betriebsnotwendigen Grundstücksvermögens übertragen, Althausbesitz, rund hundert Häuser und größere unbebaute Flächen im inneren Bereich der bayerischen Hauptstadt.

An der Monachia halten die Fincks, die inzwischen ihre Quote bei Löwenbräu auf knapp 90 Prozent hochgetrieben und ihren Einsatz damit auf schätzungsweise 350 Millionen Mark erhöht haben, den gleichen Anteil wie bei der Stammfiirma. Doch die Finck’sche Familienholding Agricola verkaufte ihre rund neunzig Prozent an der Grundstücksgesellschaft gleich wieder – jeweils zur Hälfte an die Allianz und den Dritten im Bunde, die Essener Baufirma Hochtief AG. Beide zahlen zusammen 260 Millionen Mark. Die Löwenbräu-Kleinaktionäre mit zusammen noch rund zehn Prozent werden an der Monachia mit der gleichen Quote partizipieren. Der Verkehrswert der neuen Immobilien-AG liegt also bei knapp 290 Millionen Mark.

Gegenwärtig errechnet sich für Löwenbräu bei einem Aktienkapital von 14,6 Millionen Mark und einem Börsenkurs von rund 3500 Mark je 100-Mark-Aktie ein Unternehmenswert von 511 Millionen Mark. Zieht man davon den Grundstücksanteil ab, so bleiben nach dem geplanten Aktiensplit für die Brauerei selbst, die allerdings noch beträchtlichen Grundbesitz hat, gut 220 Millionen Mark. Finck ist damit nach dem Rückfluß der 260 Millionen Mark recht billig in den Besitz der Brauerei und ihrer Weltmarke gekommen: Er hat dafür „netto“ nur knappe hundert Millionen Mark gezahlt.

Bei der Allianz, die das Monachia-Gelände zügig mit Wohnungen bebauen und damit den Immobilienanteil an ihren Vermögensanlagen deutlich anheben will, liegt der Kaufpreis längst bereit. Die Hochtief AG tut sich dabei wohl schwerer, zumal da sie erst im letzten Jahr teure 180 Millionen Mark für eine unrentable Beteiligung bei der Konkurrenz Philipp Holzmann AG bezahlt hat; aber da in Essen Merck, Finck & Co mit gut 25 Prozent einer der Großaktionäre ist, wird man eine gute Lösung finden; schließlich erwarten Hochtief in München attraktive Aufträge.