Von Heinz Michaels

Der Neue, der am Dienstag in Frankfurt in der Runde Platz nahm, war den Vorstandsherren der Lufhansa nicht unbekannt. Acht Jahre lang hatte man sich immer wieder getroffen, im Staatssekretärsbüro des Bundesverkehrsministeriums, im Aufsichtsrat des Unternehmens, bei zahlreichen Partys und Empfängen zwischen Bonn und Köln.

Nun ist er einer von ihnen: Nach fünf Jahren zielstrebiger Arbeit hat Heinz Ruhnau sein Ziel erreicht. Am 1. Juli wird er Vorsitzender der Runde und damit oberster Chef der 30 000 Lufthanseaten.

Skeptische Fragen, ob denn drei Monate Lehrzeit im Vorstand ausreichend seien, hatte Altbankier Hermann Josef Abs im Aufsichtsrat mit der Bemerkung vom Tisch gefegt, er selbst sei mit 35 Jahren ohne Vorlauf in den Vorstand der Deutschen Bank berufen worden; die Zeit reiche.

Und mit einem von keinerlei Zweifeln angekränkelten Selbstvertrauen sieht Ruhnau selbst seine Zukunft: „Ich stelle mich darauf ein, daß ich für die nächsten zehn Jahre an der Spitze dieses Unternehmens sein werde“, vertraute er dem manager magazin an.

In der Aufsichtsratssitzung am 22. Januar – vorläufiger Höhepunkt dessen, was als „Lufthansa-Affäre“ in die Annalen des Unternehmens eingegangen ist (ZEIT Nr. 43/1981) – war der Vorsitzende Walter Hesselbach, dessen Ruf damals noch nicht überschattet war von seiner Rolle im Skandal um die Neue Heimat, gleich zur Sache gekommen. Er schlage vor, den Punkt fünf der Tagesordnung vorzuziehen, weil dieser „von besonderer Wichtigkeit“ sei. Presse und Fernsehen warteten – ungewöhnlich genug für eine Aufsichtsratssitzung – schon vor der Tür, um eine Presseinformation in Empfang zu nehmen.

Damit nahm nun Gestalt an, was im Sommer letzten Jahres mit viel taktischem Geschick und mancherlei Winkelzügen eingefädelt und in der Öffentlichkeit auch als „Staatsstreich“ kommentiert worden war. Nur Heinz Ruhnau, bis zum 31. März Staatssekretär und damit höchster Beamter im Verkehrsministerium, sieht das als einen ganz normalen Vorgang: „Herr Hesselbach hat mich (vor einem Jahr) gefragt, ob ich bereit wäre ... eine solche Aufgabe zu übernehmen. Ich habe mir das lange überlegt und schließlich zugesagt.“