Leonid Breschnjew hat – in einem Moment ernster Spannungen zwischen Peking und Washington – die chinesische Karte ausgespielt. China reagierte auf seine Entspannungsofferte zurückhaltend, nicht ablehnend.

Unweit der chinesischen Grenze, in Taschkent, machte der sowjetische Präsident dem Nachbarn ein scheinbar großzügiges Angebot –zehn Jahre nach der Annäherung zwischen China und Amerika, zwanzig Jahre nach dem Bruch zwischen den kommunistischen Weltmächten:

1. China wird wieder als "sozialistisches Land" anerkannt. Damit hat auch die Sowjetunion die Barriere für eine ideologische Wiederannäherung weggeräumt, wie schon Maos Nachfolger im Jahre 1976.

2. Die Sowjetunion respektiert, anders als die USA, den Souveränitätsanspruch der Volksrepublik gegenüber Taiwan.

3. Die Sowjetunion möchte nicht nur die 1979 wegen Afghanistan unterbrochenen Grenzverhandlungen fortsetzen, sondern bietet auch vertrauenschaffende "Maßnahmen" im Grenzraum an.

4. Ohne Bedingungen will Moskau über eine politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit verhandeln.

Die Rede Breschnjews war hervorragend plaziert: In Peking ist man zutiefst verstimmt über die Absicht der USA, Düsenjäger an Taiwan zu liefern; die Gespräche stecken in einer Sackgasse; Vize-Parteichef Deng Xiaoping drohte mit einem Einfrieren der Beziehungen. Der Sinn des Signals aus Taschkent ist auch für Washington unverkennbar.