Von Horst Rademacher

Aus dem schwarzen Tümpel mitten in Los Angeles blubbern übelriechende Gasblasen. Die Elefanten am Ufer, so hat es den Anschein, trompeten um ihr Leben. Doch die Dickhäuter sind nur Attrappen: Im Museum nebenan erfährt der Besucher, daß der beschauliche Weiher einst eine böse Falle für Kaliforniens Wildtiere war. In ihm steht nämlich statt Wasser zähes Erdöl.

Die Tiere hielten die „Rancho La Brea Tar Pits“, wie das schwarze Loch heute heißt, für eine Tränke. Tappten sie dann in den Ölschlamm hinein, saßen sie fest. Jedes Strampeln ließ sie nur noch tiefer in das Bitumen sinken. Die tausendfachen Tierschicksale in grauer Vorzeit machten die Ranch zwischen Beverly Hills und Santa Monica zu einem Paradies für Zoologen.

Der Traum der Urzeitforscher hat aber auch eine ganz handfeste Seite: Von hier aus nahm der Ölboom an Amerikas Westküste seinen Anfang. Das flüssige Gold brauchte nur aus den tar pits abgeschöpft zu werden.

Das erinnert an die Sage vom Schweinehirten an der Ruhr, der eines Tages sein wärmendes Feuer nicht mehr löschen konnte. Er hatte es auf einem Steinkohleflöz angezündet, das bis zur Erdoberfläche emporstieß. Mit seinem Unglück vor einigen hundert Jahren, so geht die Legende, begann der Weg des Ruhrreviers ins Glück der Zechen, Hochöfen und Kokereien.

Heutzutage liegen weder Öl noch Kohle so einfach auf dem Erdboden. Experten müssen erst unter hohem Aufwand nach den fossilen Rohstoffen suchen. Daraus hat sich sogar ein profitabler Industriezweig entwickelt. An der Kernforschungsanlage Jülich (KfA) wurde jetzt ein Computerprogramm geschrieben, das den Ölsuchern solcher Explorationsfirmen eine wesentliche Hilfe sein kann. Professor Dietrich Welte, Leiter des Instituts für Erdöl und organische Geochemie an der KfA, erklärt: „Wir können hier 70 Millionen Jahre Erdgeschichte an einem Nachmittag simulieren.“

Die Ölprospektoren arbeiten heute nur noch selten mit dem Geologenhammer. Ihr Handwerkszeug sind Sprengstoff, schnelle Großcomputer und mit Diamanten besetzte Bohrköpfe. Wird ein Gebiet als mögliche Lagerstätte für Kohlenwasserstoffe – dazu zählen Erdöl und Erdgas – angesehen, rücken Suchtrupps an, die mit raffinierten Methoden den Erdboden erschüttern.