Paul Philipp ist da! Es war spannend zu erleben, wie er ankam. Und spannend ist es immer noch. Jeden Morgen zum Beispiel, wenn der Briefträger kommt. Da der Briefkasten für solche Ereignisse zu klein ist, legt er uns den Stapel Päckchen und Briefe vor die Haustür.

Schon einen Tag nach der Geburt war Paul Philipp als „Kaufkraft“ entdeckt. Die Probewindeln, Fläschchen, Tees, Breichen und Prospekte von Alete, Hipp, Milupa und anderen wurden gleich in der Klinik verteilt. Gut und gern ein Kilo schwer. Alle haben sie gratuliert und sich über unser Kind „ganz besonders“ gefreut. Alle wünschen sie „der Mutter gute Erholung“ und dem „Baby eine gesunde Entwicklung“.

Inzwischen ist Paul Philipp auch schon stolzer Besitzer von vier Sparbüchern auf seinen eigenen Namen. Mit herzlichen Glückwünschen und jeweils fünf Mark. Von einer Bank hat er auch noch einen silbernen Löffel aus Cromargan bekommen. Den Patenlöffel. Das sei hier in der Baden-Badener Gegend ein alter Brauch, genauso, wie es ein guter Brauch sei, seinem Kind „den Grundstock für ein späteres Vermögen schon in die Wiege zu legen“. Aber damit nicht genug: „Bitte besuchen Sie uns hin und wieder mit Ihrem Kind. Wir möchten es doch auch gern kennenlernen und sehen, welche Fortschritte es macht.“ Leider fehlt eine Unterschrift. Jetzt wissen wir gar nicht, welche der vielen Bankangestellten wir mit Paul Philipp hin und wieder besuchen sollen.

Eine Ausbildungsversicherung muß er natürlich auch haben. Das braucht man in der heutigen Zeit. Ob der Briefträger morgen das Angebot für eine Arbeitsplatzversicherung bringt? Kein Zweifel, Paul Philipp ist mit seinen vier Wochen schon ein recht bekannter junger Mann. Selbst vom Sozialministerium bekam er einen Brief. Darin stand: „Es ist keine Frage, Paul Philipp wurde in ein kinderfreundliches Land geboren.“ Und neben vielen Broschüren für Mutter und Kind schenkte ihm der Minister auch eine Zahnbürste. Ob der am Ende noch gar nicht weiß, daß selbst in seinem kinderfreundlichen Land die Babys zahnlos zur Welt kommen?

Aber nein, man denkt gleich an die Zukunft: Die Broschüre „Ratgeber Senioren“ lag schließlich auch in dem Ministerbrief! Bernhard Hermann