Im vergangenen Jahrzehnt ist die Ertragskraft des holländischen Philips-Konzerns ständig gesunken. Seit dem letzten Jahr wird nun energisch um eine Ertragswende gerungen. Erste Erfolge – so verspricht der Vorstand – werden schon bald sichtbar werden.

Für die Börse ist Philips schon auf dem Weg nach oben. Der Kurs der Philips-Aktie ist von seinem vorjährigen Tiefststand von 13,80 Mark auf etwa 21,30 Mark gestiegen. Das entspricht einer Wertverbesserung von immerhin 54 Prozent. Ein reiner Vertrauensvorschuß, denn durch die vorgelegte Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung wird dieser ungewöhnliche Anstieg noch nicht gerechtfertigt.

Die Käufer der Philips-Aktien haben aber die eingeleitete „Sanierungspolitik“ honoriert, ebenso die Personal Veränderungen an der Spitze. Sie kam rechtzeitig, denn noch kann sie mit einem Teil der in den Vorjahren angesammelten stillen Reserven finanziert werden.

Was noch nicht zu Buch geschlagen hat: Philips ist es gelungen, seine Marktanteile mit Zähnen und Klauen zu verteidigen, wie sich Vizepräsident van der Klugt auf der Pressekonferenz in Düsseldorf ausdrückte. Besonders gegen die Japaner.

Damit seien die Voraussetzungen für einen Wiederaufbau der Rendite geschaffen worden. „Sie muß doppelt so hoch sein wie 1981, bevor wir uns zufrieden geben.“ Das klingt gut in den Ohren der Aktionäre. Nur werden sie sich fragen, warum das Ruder nicht schon viel früher herumgeworfen worden ist. Denn die Ertragsmisere ist über Philips nicht über Nacht hereingebrochen.

Unbestreitbar hat es geschäftspolitische Fehlentscheidungen und Fehleinschätzungen gegeben. Die Wachstumsaussichten auf einigen Marktgebieten sind überbewertet worden mit der Folge, daß auf Halde produziert worden ist. 1981 haben sich die Vorräte nochmals um 400 Millionen Gulden auf 12,4 Milliarden erhöht. In einer Zeit der Spitzenzinsen bilden Vorräte in solcher Höhe eine unnötige Belastung für die Ertragsrechnung.

Hier wird ein wesentlicher Fehler der Philips-Geschäftspolitik früherer Jahre sichtbar. Die Produktionskapazitäten sind nicht rechtzeitig genug den Absatzmöglichkeiten angepaßt worden. Jetzt muß der Abbau der Beschäftigungszahl beschleunigt durchgeführt werden. „Dies ist bei Philips nicht üblich und hat für viele schmerzliche Folgen, trotz der großen Bemühungen des Unternehmens, diese für die davon betroffenen Personen möglichst erträglich zu gestalten“, heißt es in dem Vorwort des neuen Präsidenten W. Decker zum Geschäftsbericht 1981.