Bilanztricks und fragwürdige Finanzierungsmethoden zur Rettung der Länderbank

Schwere Zeiten hat die Länderbank, Österreichs zweitgrößte Bank, hinter sich. Das Bankhaus, zu sechzig Prozent im Eigentum des Staates, mußte sich von seinem Hauptaktionär, der Republik Österreich, retten lassen. Der Staat tat es auf seine Art: Durch zwei eigens für die Länderbank geschaffene Gesetze wurde für eine positive Bilanz und für Geld in der Kasse gesorgt.

Die Bank hat durch Firmenpleiten in den vergangenen beiden Jahren rund sechshundert Millionen Mark verloren. Sie wird einen Großteil dieser Kreditverluste auf 25 Jahre hindurch verteilt abschreiben können. Gleichzeitig hat sich der österreichische Staat verpflichtet, während der nächsten 25 Jahre an die Länderbank Zuschüsse zu zahlen, sollte sie dies finanziell nötig haben. Nach bankinternen Berechnungen wird das zumindest die nächsten zehn, zwölf Jahre hindurch der Fall sein und den Staat zumindest anfangs rund 37 Millionen Mark pro Jahr kosten.

Generaldirektor Frank Vranitzky, im Vorjahr nach der Ablösung des bisherigen Vorstandes in die Länderbank berufen, meint allerdings, das Institut habe nun das Schlimmste hinter sich: „1981 war das wahrscheinlich schwierigste Jahr in der Länderbank-Geschichte.“

Im wesentlichen waren es die Zusammenbrüche dreier großer Firmen, die die Länderbank fast selbst mitgerissen hätten: die Pleite des Kamera-Herstellers Eumig, die der österreichischen Klimatedinik und der Zusammenbruch des Kärntner Spanplattenwerkes Funder. Alle drei Firmen galten als österreichische Paradefirmen, erfreuten sich des Lobes der Politiker und großzügiger, ohne große Formalitäten und lästige Bilanzprüfungen gewährter Kredite durch die österreichische Länderbank. Daneben zählte die Bank aber noch zahlreiche andere Pleitefirmen zu ihren Kunden. Sie oder ihre Tochter ÖCI (österreichisches Credit-Institut) waren bei fast allen größeren Firmenzusammenbrüchen der letzten Zeit als Kreditgeber betroffen.

Im Vorjahr löste Finanzminister Herbert Saldier die Führung der Bank ab und erhob gegen zwei der Vorstandsdirektoren sogar gerichtlich Klage. Auch den Aufsichtsratsmitgliedern droht Saldier unerbittliche Strenge an: „Sollte sich ihre Schuld herausstellen, müssen sie mit Zivilgerichtsverfahren rechnen.“ In der Länderbank, so der allgemeine Vorwurf, wurde in den vergangenen Jahren zu wenig geprüft. Kredite wurden oft allein auf Grund bestehender Beziehungen weiter gewährt. Erwin Tantner zum Beispiel, der Eigentümer der Klimatechnik, führte Kreditgeber und andere Firmen dabei regelrecht hinters Licht: Als sich der Zusammenbruch abzeichnete, setzte sich Tautner ins Ausland ab. Mittlerweile wurde er in Spanien verhaftet, aber noch nicht an Österreich ausgeliefert.

Mit der Verfolgung der Schuldigen, die die Länderbank fast in die Pleite getrieben hätten, war es aber nicht getan. Um die Bank wenigstens optisch wieder gut dastehen zu lassen, durfte sie mit gesetzlicher Genehmigung einen Bilanztrick vorführen. Dazu übernahm der Bund für Forderungen von insgesamt etwa 350 Millionen Mark die Haftung, obwohl diese Forderungen in Wirklichkeit längst uneinbringlich sind und deshalb sofort als Schadensfall verbucht werden müßten. Das allerdings hätte das Ende der Länderbank bedeutet. So hat sich der österreichische Staat bereit erklärt, in den nächsten 25 Jahren dafür geradezustehen. Die Bank kann diese Verluste nach und nach abschreiben. Dieser amtlich genehmigten „Bilanzunwahrheit“ stimmte im Vorjahr auch die oppositionelle ÖVP zu.