Die afghanischen Rebellen kämpfen enthusiastisch – vor allem gegeneinander

Von Cheryl Benard und Edit Schlaffer

Als Film-Story wäre es zu klischeehaft, um glaubwürdig zu sein. Der Handlungsort: ein ambitiöser Kleinstaat, regiert von einem Militärdiktator mit buschigen Augenbrauen und dämonischem Blick, der seinen Vorgänger in den Morgenstunden hinrichten ließ. Die Mitwirkenden: eine Supermacht, die einen obskuren und armen Kleinstaat überfällt, und viele andere Staaten, die sich an zynischen Auslegungen der wahrscheinlichen Konsequenzen überbieten.

Nun schicke man eine Million Flüchtlinge über die Grenze und gebe ihren sechs mächtigsten Führern jeweils ein Büro in der Grenzstadt Peshawar, noch dazu jeweils eine Privatmiliz und eine gute Rüstung.

Nach Peshawar schicke man auch noch einen Trupp von UN-Beamten, eine Reihe von Agenten diverser Sicherheitsdienste, einen Trupp europäisch ausgebildeter linker und mehrere Delegationen fundamentalistischer Religionssprecher. Man bewaffne die gesamte männliche Bevölkerung und verstecke fast die gesamte weibliche. Die Altstadt besiedle man mit Händlern, die das Flüchtlingsgut ungeniert in der Originalverpackung weiterverkaufen, mit Rauschgiftschmugglern, die unbesorgt weiterhin den Khyber-Paß als Route verwenden, und mit offiziellen Delegationen ausländischer Diplomaten und Journalisten, die sich im Hotel Khyber Intercontinental in der Ausländer-Bar mit Whisky betrinken zu 300 Mark die Flasche.

In einem solchen Milieu verschieben sich rasch die üblichen Regeln von Umgang und Logik. Bei Abendeinladungen führt der Direktor der Roten Sichel, des saudiarabischen Äquivalents vom Roten Kreuz, seinen Gästen die Löcher vor, die er kürzlich in einem feuchtfröhlichen Moment in seinen Perserteppich schoß. Wer sich abends beim Heimkommen verspätet, wird vom besorgten Hausherrn mit der Pistole in ganz Peshawar gesucht. Wer auch nur entfernt mit Politik zu tun hat, bewegt sich in einem Ritual von Sicherheitsvorkehrungen: wechselt zweimal das Taxi, wenn er zu einem Treffen fährt, hat mehrere Decknamen, verleugnet alte Freunde.

Für Besucher ist das aufregend, für die Beteiligten aber ernst. Im letzten Monat wurden sieben Personen in ihren Hotelzimmern tot aufgefunden. Angehörige von Hekmatiars fundamentalistischer Rebellenpartei Hizbi Islami hatten ihnen den Kopf abgeschnitten und dem Torso einen Zettel angeheftet, darauf stand dann: Kommunist. Auf manchen stand: Maoist. Keiner soll behaupten, Hekmatiar arbeite undifferenziert.