Von Friedemann Bedürftig

Legion ist die Zahl derer, die Hitler nach dem Leben trachteten, in die Hunderte gehen die konkreten Attentatspläne, mehrere Dutzend Anschläge wurden tatsächlich unternommen. Erfolg blieb allen versagt. Erst "als sich am 29. April (1945) gegen 15 Uhr der Lauf einer Pistole zum tödlichen Schuß auf den Mann aus Braunau richtete", gab es für den Diktator kein Entrinnen mehr: "Des deutschen Volkes oberster Gerichtsherr", zu dem er sich nach der Mordaktion vom Juni 1934 ernannt hatte, richtete sich selbst.

Das war allerdings erst am Tage nach dem im Zitat angegebenen Datum. Ein Irrtum, der wie die effekthaschende Diktion typisch ist für

Will Berthold: "Die 42 Attentate auf Adolf Hitler"; Wilhelm Goldmann Verlag/Blanvalet Verlag, München 1981,256 S., 34,– DM.

Diese – gelegentlich allzu – flott geschriebene Geschichte des Dritten Reiches in Attentaten ist aber trotz mancher Flüchtigkeitsfehler und gewagter Wertungen zu empfehlen. Sie informiert spannend und wirkt dem Klischee vom monolithischen NS-Staat entgegen.

Und sie rückt das schiefgefeierte Bild vom deutschen Widerstand gerade, denn in der Reihe der zahlreichen Anschläge – warum gerade 42, bleibt offen – erhält der 20. Juli 1944 einen anderen Stellenwert. Als die Männer um Stauffenberg endlich "die pleite gehende Firma" verrieten, wie der konservative Publizist Reck-Malleczewen das Attentat tags darauf in seinem "Tagebuch eines Verzweifelten" bitter kommentierte, da waren schon ungezählte ebenso erfolglose Widerstandskämpfer den Weg zum Schafott gegangen oder in den braunen Lagern verkommen.

Sie hatten ihr Gewissen eher entdeckt als viele der Generale, die lange "pfiffen auf das Elend all der Bombenopfer, der Häftlinge in den Konzentrationslagern und der Geistesverfolgung" (Reck-Malleczewen). Und sie hatten erheblich mehr riskiert: Während die Militärs wenigstens den Hauch einer Chance für eine Machtübernahme nach einem geglückten Anschlag besaßen, war den vielen Gruppen- und Einzeltätern vorher selbst bei Erfolg der Tod gewiß.