Auf längeren Bahnfahrten plagt den Reisenden oft die Sorge ums Gepäck, wenn er einmal sein Abteil verlassen muß.

Die Touristik Union International (TUI) hat ihm, reist er pauschal im Ferien-Expreß in den Urlaub, diese Sorge genommen: Die TUI ließ in jedes Abteil vier Schließfächer mit Münzpfandschlössern einbauen, damit die Urlauber, sind sie einmal nicht im Abteil, ihre Wertgegenstände sicher aufbewahren können. Warum gibt es diese kundenfreundliche Dienstleistung nicht bei der Deutschen Bundesbahn?

Von den Bahnreisenden würden Schließfächer gar nicht erwartet, sagt die DB, die sich auf entsprechende Marktuntersuchungen beruft. Außerdem stünden bei knapp 15 000 Reisezugwagen die Einbaukosten solcher Tresore in keinem Verhältnis zum Nutzen. Bei Nahverkehrszügen ist dieses Argument noch einzusehen. Wie aber steht es bei den Fernzügen?

Mit knapp 5000 Wagen rollen die IC-, TEE- und D-Züge auf den Schienen. In den Speisewagen kann man den Koffer schlecht mitnehmen. Eine Reisegepäckversicherung kann zwar den Schaden, nicht aber den Ärger ersetzen, wenn Geschäftsunterlagen, Photoausrüstung oder Kleidungsstücke spurlos verschwunden sind.

Die Deutsche Bundesbahn hat zwar schon einmal überlegt, in den Großraumwagen eine sichere Gepäckverwahrung zu installieren, den Plan aber wieder aufgegeben, weil das Gedränge am Wagenende, wo sich die Schließfächer befinden würden, beim Ein- und Aussteigen zu groß wäre. Fazit: In Neukonstruktionen sind Schließfächer nicht vorgesehen.

Bleibt nur zu hoffen, daß während der Abwesenheit ein lieber Mitreisender das Gepäck im Auge behält, oder eine Fahrradkette zufällig zur Hand ist, um den Koffer am Gepäcknetz festzuschließen.

Ralph-Michael Kehrer