Von Helmut Schödel

Es war im Dezember letzten Jahres, als in einem Hörspielstudio des Bayerischen Rundfunks ein Ufo landete, und gleich darauf noch eins und noch eins. Eine ganze Flotte kam aus der Weite der Galaxis, von Vogon her auf die Erde. In den Raumschiffen saß ein Bautrupp, dessen Auftrag es war, eine Schnellflugstraße durch die Galaxis zu bauen. Wo jetzt noch unsere Erde ist, sollte bald nur noch eine Straße sein. Deshalb hatte der Bautrupp den Befehl, die Erde zu sprengen.

Mit der Stimme eines Roboters, zu dessen Programm auch dämonische Finsterlinge gehören, sprach aus dem Innern seines Raumschiffs der Kommandant, Peter Lühr. „Bewohner der Erde“, sprach er, „bitte herhören.“ Er erklärte die Notwendigkeit der Expreßroute und die Unvermeidbarkeit der Sprengung und sagte: „Das ganze kann kaum mehr als zwei Minuten dauern. Vielen Dank!“ Diese letzten Worte seiner kurzen Rede sprach er mit einer noch immer blechernen Stimme, zuvorkommend wie ein Gentleman und eiskalt wie ein Mörder. Dann flog in Douglas Adams’ Hörspiel „Per Anhalter ins All“, das Ernst Wendt inszeniert hatte, unsere Erde in die Luft. Der Kommentar des Kommandanten: „Ein lahmer Drecksplanet war das. Ich habe kein bißchen Mitleid.“ Nach unserem Untergang sprach der Kommandant, als würde er Christopher Lee synchronisieren; es schien, als käme diese Stimme von weit her, mindestens aus den Karpaten, von Draculas Schloß. Der Schauspieler Peter Lühr war hinter dem dämonischen Kommandanten, dessen Text er gesprochen hatte, verschwunden. Dafür erkannte man von nun an hinter allen Landvermessern, Flurbereinigern und Landschaftsarchitekten außerirdische Bautrupps, Horrorfiguren und eine tödliche Gefahr.

Im gleichen Studio, in derselben Produktion, fiel ein Pottwal durch das Weltall auf einen Planeten zu und zerplatzte. Der Wal: Bernhard Minetti. Kaum hatte das Tier begonnen, über sein Leben zu reden, mußte es schon seinen Tod bedenken. Denn sein Leben verfiel schnell.

Der Wal schnaufte tief, schluckte oft, unterbrach sein Grübeln durch lautes Schmätzen. Die Vokale kamen ihm tief aus der Kehle. Er war ein kauziger Wal, der seine Sätze ungewöhnlich zergliederte; ein alter Wal, von dem man sich gut vorstellen konnte, daß er noch im Fallen wie ein wütender Greis grimassierte. Doch je länger er fiel, desto weniger war vom Wal, desto mehr von Minetti zu hören. Aus einer Rolle waren zwei geworden: Minetti fiel durchs All, der Wal schlug auf.