In den ersten April-Tagen sind Milliardenbeträge an fälligen Zins- und Tilgungszahlungen neu angelegt worden. Davon ist längst nicht alles über die Börse gegangen. Die Kreditinstitute haben einen Teil der plötzlich auf sie zukommenden Nachfrage aus eigenen Beständen befriedigt.

Warum die öffentlichen Stellen die Gunst der Stunde nicht genutzt haben, um neue Anleihen zu emittieren, ist nur zu ahnen. Sie spekulieren offensichtlich auf weiter sinkende Zinsen und wollen sich preiswerter verschulden. Vom Standpunkt des Steuerzahlers ist dies zu begrüßen. Ob indessen eine kontinuierliche Inanspruchnahme des Kapitalmarktes nicht zweckmäßiger wäre, ist eine andere Frage.

Die nächste Bundesanleihe – sie ist für einige Tage nach Ostern geplant – wird wohl noch mit einer „Neun“ vor dem Komma aufgelegt werden müssen. Danach wird man sehen, wie es weitergeht. Wenn jetzt von den Banken prophezeit wird, daß am Jahresende der langfristige Kapitalmarktzins bei 8,5 Prozent liegen wird, ist dies keine sonderlich mutige Voraussage. Es sei denn, in den USA würde es zu einer neuen Zinshausse kommen. Aber damit wird trotz aller Unberechenbarkeit der dortigen Finanzpolitik nicht gerechnet.

Immerhin: Ganz kann sich die Bundesrepublik nicht von den US-Zinsen abkoppeln. Sie liegen dort um etwa sechs Prozentpunkte höher als bei uns. Deutsche Anleger steigen zunehmend auf Dollar-Bonds um. Sie meinen, durch den Zinsvorsprung sei das Wechselkursrisiko ausreichend abgesichert.

Vorerst wird aber trotz der sinkenden Inflationsrate in der Bundesrepublik mit einer nennenswerten Verschiebung der Kursrelation zwischen Mark und Dollar nicht gerechnet. Das ist auch der Grund, warum ausländische Kreditnehmer versuchen, sich das bei uns vergleichsweise niedrige Zinsniveau nutzbar zu machen. Ein nennenswertes Aufwertungsrisiko sehen sie zur Zeit nicht. Hier bahnt sich ein zu diesem Zeitpunkt unerwünschter Kapitalexport an. Er könnte sich deshalb störend bemerkbar machen, weil ausländische Interessenten für auf Mark lautende Auslandsanleihen rar geworden sind. Wer in der Welt Rendite sucht, kauft eben hochverzinsliche Dollar-Papiere.

Am deutschen Aktienmarkt liegen die Verhältnisse etwas anders. Hier spekulieren die Anleger einmal auf steigende deutsche Aktienkurse, zum anderen – längerfristig – auf eine Aufwertung der Mark. Die Käufer stammen kaum noch aus den reichen Ölländern, sondern mehrheitlich aus der Schweiz, England, den USA und – soweit es noch geht – auch aus Frankreich. Bei der Auswahl lassen sie sich zum Teil durch Empfehlungen deutscher Banken anregen. Auf diese Weise kommen immer mehr deutsche Spitzenaktien zum Zuge.

In den letzten Tagen hat sich gezeigt, daß die Aktien der deutschen Bau- und Maschinenbauunternehmen für die Anleger an Reiz verloren haben. Bewirkt hat dies die sich in einigen Opec-Ländern abzeichnende Finanznot. Es ist zu befürchten, daß die Aufträge von dort künftig spärlicher fließen werden; möglicherweise wird das eine oder andere bereits abschlossene Projekt überhaupt nicht mehr realisiert. Die deutschen Exporteure werden sich neue Kunden suchen müssen – und das braucht seine Zeit.