Hörenswert/Ärgerlich

„Placido Domingo sings Tangos“. Es ist schon einigermaßen anmaßend, in der Bundesrepublik eine Schallplatte herzustellen und ihr selbst für den Verkauf im eigenen Lande Erläuterungen in einer Fremdsprache beizufügen – eine namentlich unter den reichen Firmen gepflegte Art der Publikumsverhöhnung: Man kassiert den vollen Preis, aber man leistet nur den halben Dienst. Das macht sich für viele gerade bei dieser Schallplatte bemerkbar, auf der ein Künstler mit einer schönen Stimme und einem noch berühmteren Namen einen bekannten, in Wirklichkeit fast unbekannten Tanz vorstellt: den Tango, den vielleicht spannungsreichsten Rhythmus, dessen Akzentverschiebungen (und die Instrumentierung) zu verfolgen allein schon ein Abenteuer sein kann. Placido Domingo stürzt sich hier con brio in das in der Abteilung U-Musik untergebrachte Genre und macht aus eleganten Stücken strahlende und leidenschaftliche Fortissimo-Affären. Aber um zu verstehen, wovon sie hervorgerufen wurden, muß man entweder spanisch oder wenigstens englisch sprechen. (DG 2536 416) – Placido Domingo, einmal für die Abteilung Unterhaltung entdeckt, hat schnell gemerkt, daß sich da etwas machen lasse. Auf einer anderen Schallplatte hat sein Engagement freilich leicht komische Züge, die sich besonders dann zeigen, wenn er mit dem gefälligen Folksänger John Denver, einem Star der frühen siebziger Jahre, zusammen auftritt oder wenn er Musical-Schlager und anderes singt, als handele es sich um Arien von äußerster Expressivität: „Perhaps Love – Placido Domingo with John Denver“ (CBS 24 008). Es ist ein Irrtum, zu glauben, man täte Schlagern Gutes an, wenn man sie mit den Tugenden des Operngesanges überschwemmt. „Yesterday“, so vorgebracht, ist auf einmal – Kitsch. Manfred Sack

Zwiespältig

Betty Legter: „Signs“. Sie ist angeblich der neue Singer/Songwriter-Superstar der eidgenössischen Alpenrepublik, vermutlich weil ihr etwas fehlt, das man auch von berufsmäßigen Musikern dieser letzthin etwas heruntergekommmenen und doch mehr denn je geldgeilen Popmusik-Branche verlangen sollte, nämlich ein Quentchen Originalität und den Mut, andere Lieder als die bis zum Überdruß gehörten zu singen. Was immer auf dem zweiten Album der Betty Legier musiziert wird, ist zweifellos gekonnt und „gut gemacht“, denn von Carola King bis Carly Simon kopiert sie mehrere Generationen amerikanischer Sängerinnen ziemlich routiniert. Reichlich unerträglich finde ich die Kuschelweich- und Schmusewolle-Poesie von Songs wie „Love’s Just In Children“, „Dear Mr. Tree“ oder „Children and War“, die abgedroschener und verlogener ist als so manches Klischee der Country Music. Von der Platitüde sind auch andere Songverse, etwa die letzten von „Winter Has Come“, nicht weit entfernt. Für einen Newcomer produziert Betty Legier mit ihren Kompositionen reichlich viel „déja entendu“. (Big Mouth Records 6.25050)

Franz Schöler