Von Friedhelm Gröteke

Das sind nicht mehr die Rosen von damals – so beginnt ein populäres italienisches Lied. Italiens Blumenzüchter haben wohl Grund, solch triste Töne anzuschlagen. Denn vergangenes Jahr hat die Apenninenhalbinsel, traditionell einer der großen Blumenlieferanten Europas, erstmals mehr Blumen aus dem Ausland eingeführt als selbst exportiert. Das Defizit im Außenhandel mit der Blütenpracht machte zwanzig Millionen Mark aus.

Noch immer bestimmen plastik- und glasgedeckte Blumenfelder weithin die Landschaft um Italiens Blumenhauptstädte San Remo und Imperia, wo 1850 mit dem Massenanbau von Blumen begonnen wurde. Aber wenn man genauer hinsieht, ist diese durchsichtige Decke, unter der die Nelken, Rosen und Tulpen reifen, an manchen Stellen durchlöchert: die Anlagen verfallen, Unkraut wuchert. In den vergangenen fünf Jahren ist die Anbaufläche um ein Viertel geschrumpft. Von achttausend Großgärtnern haben zweitausend den Bewässerungshahn endgültig zugedreht und von fünfzigtausend Beschäftigten ist dort nur noch die Hälfte geblieben.

So überraschend es ist: In der kühlen und feuchten Bundesrepublik werden heute mehr Blumen produziert und verkauft als im mediterranen Italien. Das klimatisch noch ungünstiger gelegene Holland gar ist zum größten europäischen Blumenexporteur aufgestiegen und hat Italien auf Platz zwei gedrückt.

Die Wurzeln der Entwicklung sind:

  • Die technische Entwicklung der Blumenkultur in heizbaren Gewächshäusern hat die Italiener ihres natürlichen klimatischen Vorteils weitestgehend beraubt.
  • Viele italienische Hersteller haben zu spät an Neuerungen gedacht und zu lange Standardkulturen wie die Massennelke angebaut.
  • Die Lohnkosten sind derart gestiegen, daß sich nur noch sehr gut rationalisierter Großanbau und Familienbetriebe rentieren.
  • Die italienischen Blumenzüchter sind schlecht organisiert, sie konnten bisher keine einheitliche Marktstrategie entwickeln.
  • In Italien gibt es keine Heizöl- oder Gassubventionen für die Gewächshäuser.
  • Die Entwicklung des Flugtransportes begünstigt die Konkurrenz von Ländern wie Kenia, Kolumbien, Israel und Südafrika.

Schneller als die italienischen Züchter sind deutsche und holländische Großgärtnereien auf den Gedanken gekommen, Land in Kenia und Kolumbien zu erwerben. In diesen tropischen Gebieten stellen sie bei sehr niedrigen Löhnen und kostenloser Sonnenenergie Blumen und Pflanzen her. Die Blumenladungen aus Afrika werden dank der Konventionen von Lomé zollfrei an der größten europäischen Blumenbörse im holländischen Aalsmeer vermarktet. Dort machen holländische und deutsche Großhändler auch die Preise für die fünf Milliarden Blumen, die jährlich allein aus den holländischen Gewächshäusern kommen. Den fünfzig Millionen Quadratmetern beheizter Anbaufläche in Holland stehen im italienischen Hauptanbaugebiet nur zwei Millionen und in ganz Italien höchstens das Doppelte an Quadratmetern gegenüber.