Job-sharing in den USA

/ Von Barbara Ungeheuer

Gesucht: Zwei fähige und tatkräftige Personen, die sich eine Verwaltungsposition mit Aufstiegsmöglichkeiten in einer großen, fortschrittlichen Firma teilen wollen.

Auch in den USA sind solche Stellenangebote noch immer eher Ausnahme als Regel. Dennoch hat sich hier im letzten Jahrzehnt Jobsharing als eine neue Art der beruflichen Arbeitsteilung fest etabliert. Eine wachsende Zahl von Männern und Frauen jeder Altersgruppe sucht nach Möglichkeiten, den Schraubstock der Fünf-Tage-Woche zu lockern und Arbeitsrhythmen zu finden, die das Berufs- und Privatleben in Einklang bringen. Aber auch in der Wirtschaft, in der die Schwankung gen der Zahl der Beschäftigten und der Geldschöpfung immer schwerer zu kontrollieren sind, ist größere Flexibilität wichtiger denn je zuvor.

Job-sharing bedeutet: Zwei Personen teilen sich eine Ganztagsposition paritätisch – die Pflichten, das Gehalt, die Ferienzeit, die Sozialleistungen und die für den jeweiligen Job erforderliche Arbeitszeit. Doch Job-sharers sind keine Halbtagskräfte, die auch im hiesigen Arbeitsmarkt als Aushilfspersonal, Zulieferer ohne Karriereambition oder Zukunft eingestuft werden – mit dem Stigma der ,halben Kraft‘ behaftet.

Das Ein-Mann-eine-Karriere-Prinzip benachteiligt vor allem jene, die zwar die berufliche Qualifikation, nicht aber den zeitlichen Einsatz bringen können oder wollen: die Anästhesistin, die mehr Zeit mit ihrem ersten Kind verbringen will; das Lehrerehepaar mit Zweitkarriere im Theater; den körperbehinderten Computerprogrammierer, zeitraubenden Rehabilitationsübungen verpflichtet; die Chefsekretärin, die ernsthaft Ballett betreibt; den Doktoranden, der seine Frau nicht zur Alleinverdienerin machen will, oder den 60jährigen Städteplaner, der seine Pensionierung stufenweise und nicht abrupt erleben möchte. Sie alle haben durch Job-sharing einen Ausweg aus der Zwickmühle gefunden.

„Wir haben gleich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, sagt Suzanne Baer, seit zwei Jahren Direktorin der Studenten- und Berufsberatungsabteilung im Marymount College von Manhattan. Sie zwinkert ihrer Co-Direktorin Joan Likely-Cosenza zu, die sofort zu erklären weiß: „Ich wollte rein ins Haus, Suzanne wollte raus aus dem Haus, und Marymount College hat zwei kluge Köpfe für ein Gehalt gewonnen. Bezieht man noch unsere Männer und Kinder ein, für die wir Zeit und Geld verdienen, dann können wir eigentlich an allen Fronten die Fahne hissen.“